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Klimaabkommen von Madrid: "Belgien hängt am Ende des europäischen Pelotons"

Der Klimagipfel von Madrid endete am Sonntag mit zwei Tagen Verspätung und einem abschließenden Abkommen, das von vielen Beobachtern und Fachleuten als zu schwach bewertet wird. Die Verantwortung werde auf die nächsten Gipfel dieser Art verschoben. Europa zeigte sich allerdings recht ambitioniert, doch auch Belgien muss sich vorwerfen lassen, hier nicht wirklich mitzuziehen.

Der international hoch angesehene Klimawissenschaftler Jean-Pascal van Ypersele, der bereits einige international bedeutende Behörden in Klimafragen beraten hat, bedauerte den schwachen Inhalt des Abkommens von Madrid: „Das Endresultat ist schwach, sehr schwach. Es stimmt nicht mit dem überein, was notwendig ist. Außer die Europäische Union hat noch keiner der großen Treibhausgas-Verursacher bisher einen Plan angekündigt, wie er bis 2050 CO²-neutral werden will.“

Der Welt-Natur-Fonds WWF lobte die Europäische Union für ihre Haltung in Sachen Schadstoffausstoß und für die ambitionierten Pläne, bis 2050 klimaneutral werden zu wollen, „doch Belgien bleibt hier am Ende des Pelotons hängen.“ Belgien gab in Madrid kein wirklich gutes Bild ab. Bis zuletzt versuchten die vier in Belgien für Klimafragen zuständigen Umweltminister aus Bund und Ländern eine eigene Einigung zu finden. Dies gelang nur mit Mühen und mit unterschiedlichen Zielvorgaben. Vor allem das belgische Bundesland Flandern lag hier einmal mehr quer.

Vier Klimaminister in Belgien, doch kein einheitlicher Weg

Die vier Umweltminister in Belgien sind Zuhal Demit (N-VA) für Flandern, Philippe Henry (Ecolo) für die Wallonie, Alain Maron (Ecolo) für die Region Brüssel-Hauptstadt und Marie-Christine Marghem (MR) für die belgische Bundesregierung. Brüssel und Wallonien sind der Ansicht, dass sich Flandern wie ein „Freibeuter“ verhält und auch von Seiten der geschäftsführenden Bundesregierung kommt die Kritik, dass „Flandern erwartet, dass wir die Probleme lösen.“ Flandern will sich nicht so recht dafür engagieren, den Ausstoß von Schadstoffen in die Atmosphäre bis 2030 um 35 % zu verringern, wie die Europäische Union fordert. Hier ist von einer Verringerung um 32,6 % die Rede.

Wie Flandern die Vorgabe des Abkommens von Madrid umsetzen will, bis 2050 klimaneutral zu sein, ist hier die Frage. Die Brüsseler Region will bis 2030 40 % weniger Treibhausgase und andere Schadstoffe weniger ausstoßen und die Wallonie will bis dahin den Ausstoß sogar um 55 % verringern. Bundesumweltministerin Marie-Christine Marghem (MR) reagierte nach dem Gipfel von Madrid auf das Abkommen: „COP25 war wirklich schwierig und der Weg zum Abkommen von Paris ist noch kompliziert, doch wir verdoppeln unsere Anstrengungen auf belgischer Ebene, um zu einem nationalen Energie- und Klimaplan zu kommen.“