Unvergessenes Drama: Vor 75 Jahren fiel eine V2 auf das "Cinema Rex" in Antwerpen

Vor genau 75 Jahren, am 16. Dezember 1944, fiel eine deutsche V2-Bombe auf das vollbesetzte „Cinema Rex“ in Antwerpen. Dabei kamen 567 auf einen Schlag ums Leben. Ein damals 15 Jahre alter Zeitzeuge, der vor einigen Wochen im Alter von 90 Jahren verstarb, erinnerte sich noch gut an diesen dramatischen Tag, denn er war unter den wenigen Überlebenden dieser Bombardierung.

„Ich werde das niemals vergessen. Im Film lehnte Buffalo Bill an einem Pfosten und zog seine Revolver und dann stürzte das ganze Kino ein. Das müssen tolle Revolver gewesen sein.“, erzählte der Antwerpener Camiel De Vree in einem Gespräch mit dem VRT-Regionalsender Radio 2/Antwerpen vor genau 5 Jahren, im Dezember 2014.

Als die V2 am 16. Dezember 1944 auf das Rex-Kino an der Keyzerlei in Antwerpen stürzte, kamen 567 Menschen ums Leben. Camiel De Vree, der mit dem Schrecken davon gekommen war, erzählte weiter, dass er kurz davor mit einem britischen Soldaten den Platz gewechselt hatte, weil der so lange Beine hatte und lieber auf der Ecke sitzen wollte.

„Als die Bombe gefallen war, spürte ich sofort: der war tot. Meine Zeit war also noch nicht gekommen. An der anderen Seite saß mein Freund Raymond. Der bekam einen schweren Balken ab und sein Fußgelenk war an drei Stellen gebrochen. Sein Vater hat ihn später am Abend erst im Sankt-Vinzenz-Krankenhaus gefunden.“

Antwerpen und sein Hafen waren ab Oktober 1944 etwa ein halbes Jahr lang Ziel der deutschen Flug- und Raketenbomben V1 und V2. Die Deutschen wollten den Hafen, der für die Alliierten auf ihren Vormarsch in Richtung Deutschland ein wichtiger Nachschubpunkt war, in aller Verzweiflung unbedingt treffen. Eigentlich war zu jener Zeit jeder Antwerpener permanent von Bomben bedroht.

Als Camiel De Vree nach dem Bombentreffer auf das „Cinema Rex“ mit dem Fahrrad nach Hause fahren wollte, begriff er erst wirklich, was geschehen war und damit war dieser dramatische Tag für ihn noch nicht zu Ende: „Als eine Tram plötzlich beim Jesuitenkloster anhielt, habe ich mich erschrocken, denn alle Leute legten sich auf den Boden, aber es kam keine Bombe runter. Weiter am Teniersplein war doch eine Bombe gefallen. Da habe ich viel Blut gesehen. Die Wasserleitung war getroffen wurden und die Leute bluteten einfach aus… Da war ein großer See voller Blut zu sehen.“