Bozar in Brüssel zeigt Keith Haring, eine Ikone der 1980er Jahre

Jeder kennt wohl die bunten Figuren aus Keith Harings Gemälden und Kunstwerken. Sie befinden sich irgendwo zwischen Comic und Pop Art. Ihr Schöpfer gilt heute als Ikone der 1980er Jahre und er gehört wohl zum amerikanischen Kulturerbe aus eben jener Zeit. Doch hinter diesen Kunstfigürchen steht ein Künstler, der auf der einen Seite das Leben auskostete, wie kaum ein anderer, der sich aber damit irgendwie auch selbst zerstörte. Der Brüsseler Kulturpalast Bozar zeigt in seiner Keith Haring-Ausstellung sowohl dessen Werk, als auch den Menschen dahinter und das, was diesen sonst noch bewegte.

Schon von Kindesbeinen an malte und zeichnete Keith Haring, der später an der School of Visual Arts studierte. Doch Haring war wissensdurstig und wollte im Kulturbereich alles versuchen, was ihm auch teilweise gelang. Er malte, zeichnete, tanzte, drehte Videos, war politisch aktivistisch tätig, legte als DJ auf und probierte aus, was das Leben zu bieten hatte.

All das lässt die Ausstellung im Bozar erleben und zwar mit einer reinen Kunstausstellung und einem Rahmenprogramm aus Filmen und Fotos, mit Gesprächen und Debatten, Aktivitäten für Kinder und Jugendliche oder auch mit Performance-Auftritten von Künstlern, die sich mit Harings Werk auseinandersetzen.

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Keith Haring hat einmal gesagt, dass die Menschen ein Recht auf Kunst haben. Kunst sei für jedermann da. Sein Werk unterstreicht diese Ansicht, diesen Anspruch auch an sich selbst. Seinerzeit war die US-Metropole New York seine Spielstätte in der er überall sichtbar war (und teilweise auch noch ist).

Neben seiner künstlerischen Arbeit - Haring arbeitete schnell und scharf, wusste stets mit raschen Strichen das zu malen oder zu zeichnen, was ihn gerade bewegte - war er auch politisch aktiv. Nicht etwa in Parteien oder auf reiner politischer Ebene, sondern auf gesellschaftlicher Ebene. Keith Haring kämpfte für die Rechte von ethnischen Minderheiten, für sexuelle Freiheiten, gegen Ausgrenzung, gegen Armut, gegen brutale und zerstörerische Drogen, wie Crack. Er malte für und in Waisenhäusern und anderen sozialen und karitativen Einrichtungen, kümmerte sich um Kinder und Jugendliche, denen die Gesellschaft keine Chancen gab. Als er die Diagnose Aids bekam, richtete sich sein Aktionismus in Richtung dieser Krankheit. Keith Haring war als Künstler rasch beliebt, hatte damit kommerziellen Erfolg und wusste sich zu verkaufen. Mit diesem Geld gründete er eine Aids-Stiftung, die seinen Namen trägt. Auch dem trägt die Bozar-Ausstellung in Brüssel Rechnung.

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© Keith Haring Foundation / Collection Noirmontartproduction, Paris

Neben seiner malerischen und zeichnerischen Tätigkeit und seinen künstlerischen und aktivistischen Nebenschauplätzen war Keith Haring aber auch auf anderen kreativen Ebenen zugange. Er organisiert zum Beispiel in New Yorker Clubs, Galerien und in Underground-Läden Performances. Ab etwa 1982 wurde er in der internationalen Kunstwelt immer bekannter und er stellte auch außerhalb New Yorks aus. Auch konnte er immer mehr Werke verkaufen.

1986 eröffnete er im Underground-Viertel SoHo in New York seinen eigenen Laden, quasi die Urform des Popup-Shops. Dort verkaufte er ebenfalls kommerziell sehr erfolgreich T-Shirts, Plakate und anderes mit seinen eigenen Motiven. 1990 starb Keith Haring im Alter von nur 31 Jahren an Aids. Er hinterlässt ein bis heute schier unerschöpfliches Werk, dass im Bozar sehr gut zusammengefasst wird.

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© Keith Haring Foundation

Die bunten und lebensbejahenden Figuren aus seinen Werken leben bis heute weiter. Sie tauch(t)en bei MTV ebenso auf, wie in der Werbung. Vieles, was damals üblich, modern und trendy war, tauchte auch mit Keith Haring-Logos auf, z.B. der Walkman und Kleidungsstücke. HipHop und Breakdance ließen sich durch Haring-Figuren inspirieren und illustrieren. Eigentlich lässt die Keith Haring-Ausstellung im Brüsseler Bozar die Menschen in eine Art Zeitkapsel eintauchen, in eine Zeitkapsel, die die 1980er Jahre so darstellen, wie sie wirklich waren.

Im Bozar tauchen auch jene Zeitgenossen auf, die er prägte oder die ihn prägten. Das waren wegweisende Pop Art-Künstler, wie Andy Warhol oder Roy Lichtenstein, Musiker, wie David Byrne von den Talking Heads oder auch Madonna und Grace Jones mit ihrer damals schon bahnbrechenden Popmusik, Zeitgenossen und Weggefährten, wie Jean-Michel Basquiat und nicht zuletzt auch der unvermeidliche anonyme Street Art-Künstler Banksy.

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Keith Haring war zu Lebzeiten auch in Belgien unterwegs und aktiv, wie ein Wandgemälde im Antwerpener Kunstmuseum MUHKA belegt oder der Container eines Surfclubs in Knokke. Schon in den 1980er Jahren, als Haring international noch vor dem Durchbruch stand, luden ihn hiesige Galeristen nach Belgien ein, z.B. die Galerie 121 in Antwerpen von Emmy Tob oder der Sammler Roger Nelles aus Knokke.

Die 1980er Jahre sind gerade wieder in und hip. Keith Haring trägt dazu bis heute bei, wohl, weil er nie wirklich weg war. Im Bozar ist eines seiner wichtigsten Bilder aus dem Ende seiner Schaffenszeit kurz vor seinem Tod im Februar 1990 zu sehen, das schwarze Quadrat mit einem rosa Dreieck, in dem sich seine typischen Figuren ineinander verkeilen. „Silence = Dead“ heißt dieses Werk. Damit ist alles gesagt.

Keith Haring, noch bis zum 19. April 2020 im Bozar, Ravensteinstraat/Rue Ravenstein 23, 1000 Brüssel. Info: www.bozar.be