Restaurierung des "Lamm Gottes" nach drei Jahren abgeschlossen

In den vergangenen drei Jahren wurden vier Flügel der „Anbetung des Lamm Gottes“ des weltberühmten Flügelaltars in der St.-Bavo-Kathedrale in Gent restauriert. Diese Arbeiten konnten jetzt kurz vor dem Van Eyck-Jahr abgeschlossen werden. Bei der Restaurierung dieses Werks der Gebrüder Van Eyck wurden Übermalungen und reichlich Patina entfernt. Zum ersten Mal seit wohl 400 Jahren lässt sich das Werk in Teilen jetzt so erkennen, wie es seinerzeit geschaffen wurde.

Noch ist die komplette Restaurierung des Van Eyck-Flügelaltars „Die Anbetung des Lamm Gottes“ nicht ganz abgeschlossen, denn einige Außenflügel werden erst zum Start der großen Van Eyck-Ausstellung „Van Eyck. Eine optische Revolution“ im nächsten Jahr zu sehen sein, bzw. ab 2024.

Als das Königliche Institut für das Kulturerbe (KIK) diese Restaurierung gemeinsam mit dem Atelier des Museums für Schöne Künste in Gent im Jahr 2012 in Angriff nahm, wurde beschlossen, diese Arbeiten in drei Phasen aufzuteilen. Zuerst wurden acht Außenflügel restauriert und danach, ab 2016, das zentrale Gemälde (Foto unten), dass dem Flügelaltar seinen Namen verleiht.

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Sint-Baafskathedraal Gent © Lukasweb.be-Art in Flanders vzw, foto KIK-IRPA

Im Zuge dieser beiden ersten Phasen stellten die Restauratoren fest, dass die verschiedenen Einzelteile des Altars im Zuge der vergangenen vier Jahrhunderte recht umfangreich übermalt worden sind. Zum Beispiel das zentrale Bild ist wohl gut zur Hälfte fachkundig übermalt worden. Das betrifft den blauen Himmel, fast alle am Horizont zu sehenden Gebäude, ein Großteil der Grasfläche, Kleidungsstücke der Protagonisten und sogar das Lamm selbst… Sehen sie in den nächsten Illustrationen das „Vorher und Nachher“ von zwei Teilbereichen. Zur Überraschung aller Beteiligten waren unter den Übermalungen alle originalen Van Eyck-Pinselstriche vollständig erhalten geblieben.

(Lesen sie bitte unter den beiden Bildern weiter)

Sint-Baafskathedraal Gent © Lukasweb.be-Art in Flanders vzw, foto KIK-IRPA
Sint-Baafskathedraal Gent © Lukasweb.be-Art in Flanders vzw, foto KIK-IRPA

Im Zuge der Restaurierung wurden den Beauftragten zusätzliche Zeit und Mittel zur Verfügung gestellt, um die jahrhundertealten Übermalungen minutiös zu entfernen und um die originalen Van Eyck-Arbeiten so wiederzugeben, wie sie im 15. Jahrhundert gemalt worden sind.

Einer der beteiligten Restauratoren sagte dazu, dass auf dem Retabel eigentlich nur eine „braune Soße zu sehen war“. Die Restaurierung bietet jetzt Fachleuten und Kunsthistorikern die Möglichkeit, über das Werk erneut zu philosophieren. So steht mehr denn je die Frage im Raum: „Warum malte Jan Van Eyck die Augen des Lamm Gottes mit derart eindringlich schauenden menschlichen Augen?“ oder „Was wollte der Künstler überhaupt damit sagen?“

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Sint-Baafskathedraal Gent © Lukasweb.be-Art in Flanders vzw, foto KIK-IRPA

Jetzt werden die Ergebnisse dieser umfassenden Restaurierung bis ins Detail fotografiert, um danach auf der Internetseite „Closer to Van Eyck“ gezeigt zu werden. Mitte Januar wird der Flügelaltar wieder zurück an seinen angestammten Platz in der St.-Bavo-Kathedrale in Gent kehren, just zum Start des Van Eyck-Jahres 2020, dass hier umfassend begangen wird.

Die Kirchenfabrik der St.-Bavo-Kathedrale muss jetzt noch etwas Geld auftreiben, um die verbleibenden sieben Flügel-Rückseiten zu restaurieren, von denen jetzt schon bekannt ist, dass sie ebenfalls schwer übermalt wurden. Da die bisher zur Verfügung stehenden Gelder aufgebraucht sind, muss ein weiterer Zuschussantrag an die flämische Landesregierung gerichtet werden. Nach dem Van Eyck-Jahr, also 2021, soll diese dritte Phase, bei der die sieben übrigbleibenden Außenflügel des Retabels unter die Fittiche der Kunstrestauratoren genommen werden sollen, beginnen. Ab 2024, wenn alles gut geht, ist dann das gesamte erhaltene und bekannte Werk in seiner originalen Vollständigkeit zu bewundern…