Neretsé ist des Völkermords schuldig: “Urteil wird Auswirkungen auf unser Land, aber auch auf andere Länder haben"

Das Brüsseler Schwurgericht hat den 71-Jährigen Ruander Fabien Neretsé der Verbrechen des Völkermords für schuldig befunden. Es ist das erste Mal, dass in Belgien jemand wegen Völkermord, dem international schwersten Verbrechen, verurteilt worden ist. Noch ist nicht klar, wie seine Strafe aussehen wird.

Nach Ansicht der Geschworenen ist Neretsé für den Massenmord an 9 Menschen in Ruanda vor 25 Jahren, zu Beginn des Völkermords, verantwortlich. Der Prozess in Brüssel dauerte 6 Wochen, es wurden mehr als 123 Zeugenaussagen vorgetragen.

Die Anwältin der Zivilpartei, Michèle Hirsch, bezeichnete den Schuldspruch von Fabien Neretsé durch das Brüsseler Schwurgericht am gestrigen Donnerstagabend als "historisch“. "Dies ist eine Entscheidung, die Teil der Geschichte ist, die Teil unserer Geschichte ist und die auch Teil der Geschichte der Menschheit ist", sagte die Anwältin nach dem Urteil.

"Ich glaube, dass das soeben getroffene Urteil Auswirkungen auf unser Land, aber auch auf andere Länder haben wird", so Hirsch, die zusammen mit Eric Gillet Martine Beckers vertrat. Martine Beckers ist die Schwester des belgischen Opfers Claire Beckers. Martine hatte diesen Fall, der mit dem Völkermord der Tutsi in Ruanda 1994 in Verbindung steht, vor Gericht in Belgien gebracht.

Der in Frankreich lebende 71-jährige Ruander wird für schuldig befunden, am 9. April 1994 in seinem Viertel im Bezirk Nyamirambo der ruandischen Hauptstadt mehrere Personen mit Tutsi-Herkunft denunziert zu haben. Sie waren von Soldaten erschossen worden, als sie im Begriff waren, aus ihren Häusern in ein Lager der Hilfsmission der Vereinten Nationen für Ruanda zu fliehen. Unter den Opfern waren Mitglieder der Familie Sisi, Mitglieder der Familie Gakwaya sowie die Belgierin, Claire Beckers, ihr Mann, Isaïe Bucyana, und ihre Tochter Katia.