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Die Weihnachtsansprache des belgischen Staatsoberhaupts, König Philippe von Belgien

Die Weihnachtsansprache traditionell eher gesellschaftspolitischen Themen gewidmet. König Philippe ruft angesichts der Probleme und Herausforderungen unserer Zeit zu Mut und Entschlossenheit auf. Die derzeitige innenpolitische Krise erwähnt der Monarch nur am Rande. Die Weihnachtsansprache im vollen Wortlaut:

Meine Damen und Herren,

Weihnachten und Neujahr sind für viele von uns eine Zeit der Freude und des gemütlichen Beisammenseins.  Die Königin und ich freuen uns für alle, die diese Momente des wahren Glücks mit ihren Lieben teilen können.  Wir denken aber auch an all die Menschen, denen es nicht gut geht oder die einsam sind und die das in diesen Tagen besonders stark spüren. 

Wir danken allen, die für diese Menschen da sind, um sie zu unterstützen und ihnen Mut zu geben.

Wir leben in einer Zeit des Umbruchs. Unser Sozial- und Wirtschaftsmodell und unser Umgang mit der Umwelt werden in Frage gestellt.  Viele wissen nicht mehr, woran sie sich festhalten sollen.  Gerade daher dürfen wir nicht bloß zuschauen. Wir müssen uns stärker einbringen.  Aufgeben ist nicht das Gebot der Stunde.

Die Herausforderungen, vor denen wir stehen, für unsere Gesellschaft und unseren Planeten, kennen wir nur zu gut.  Wir wiederholen auch dauernd, wie dringend wir sie angehen müssen.  Größtenteils wissen wir auch, was die Lösungen sind. Aber - wie können wir diese konkret in die Tat umsetzen? 

Alles ist eine Frage der Einstellung

Um Dinge verändern zu können, muss man zuerst daran glauben, und danach handeln.  Wir sind für unser Tun verantwortlich.  Unser Verhalten hat auch Folgen für die anderen.  Seien wir uns dessen stärker bewusst. Verfallen wir nicht in kurzfristiges Handeln.  Denken wir langfristig.  Setzen wir uns ein für Lösungen, deren Früchte wir vielleicht nicht mehr selber ernten können, die aber den nachfolgenden Generationen zugutekommen werden.

Wir müssen auch sehen und hören wollen.  Wir können nicht gleichgültig bleiben gegenüber Ungerechtigkeit, Armut, Ausgrenzung.  

Auch nicht gegenüber der Gewalt, die es in vielen Formen um uns herum gibt : verborgen im häuslichen Umfeld, schleichend im Alkohol- und Drogenmissbrauch, besonders bei Jugendlichen, hinterlistig in der üblen Nachrede und der Verdächtigung, aber auch deutlich sichtbar in Worten, die verurteilen, und in der Geste, die zerstört.

Seien wir uns auch unserer kollektiven Stärke bewusst

Die Kraft all derjenigen, die sich engagieren, weil sie sich nicht abfinden wollen mit den Dingen, wie sie sind.  Und auch die stille Kraft so vieler Mitbürger unter uns, die sich diskret aber äußerst wirksam für eine menschlichere Gesellschaft einsetzen.   

Schließlich brauchen wir eine konstruktive Grundeinstellung, um all die Energie und Kreativität in unserem Land in die richtigen Bahnen zu lenken und um uns rund um gemeinsame Projekte zu vereinigen. 

Nunmehr ist es dringend an der Zeit, dass wir möglichst schnell eine voll funktionsfähige föderale Regierung bilden, die ausgewogene Entscheidungen treffen kann, die einträchtig und entschlossen getragen werden.  Das ist, was wir jetzt alle erwarten.

Meine Damen und Herren: Wir bekommen die Zukunft, an die wir glauben.

Unsere Tochter Elisabeth hat ihren achtzehnten Geburtstag gemeinsam mit Jugendlichen in ihrem Alter gefeiert.  Sie alle haben ihren Glauben an die Zukunft bekundet.  Wir haben eine klarsichtige Jugend erlebt, die bereit ist, sich voll zu engagieren.

Mit ihnen glaube ich an das enorme Potenzial unseres Landes, an unsere gemeinsame Fähigkeit, die Herausforderungen zu meistern. Vorausgesetzt, dass wir unsere Kräfte bündeln und nach Einheit in der Verschiedenheit streben, mit Respekt für die Überzeugungen eines jeden.

Die Königin und ich wünschen Ihnen frohe Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr.