Schweinefleisch ist in Belgien so teuer wie lange nicht mehr

Seit 2013 war Schweinefleisch in Belgien nicht mehr so teuer wie heute. Dies meldet die flämische Wirtschaftszeitung De Tijd in ihrer Freitagsausgabe. Für die fleischverarbeitende Industrie ist dies ungünstig, während die Landwirte gerade einen guten Schnitt machen. Noch merken die belgischen Verbraucher diese Entwicklung nicht auffallend stark im Handel oder beim Metzger. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, wann Schweinefleisch auch hier teurer wird, so De Tijd.

In den Schlachthöfen in Belgien wird für 100 kg Schweinefleisch derzeit rund 180 € gezahlt. Das ist ein Preis, der doppelt so hoch liegt, wie noch vor einem Jahr. Seit 2013, als für Schweinefleisch hierzulande etwa ebenso viel gezahlt werden musste, lagen die Preise in der Produktion nicht mehr so hoch, wie jetzt. Für die Landwirte und Schweinezüchter ist dies eine durchaus positive Entwicklung, denn nach langen und schweren Jahren sorgt dies bei ihnen für eine Atempause.

Doch für die großen fleischverarbeitenden Unternehmen in Belgien sind damit eher schlechte Zeiten angebrochen. Michael Gore, der Vorsitzende des Verbandes der belgischen Fleischindustrie (FEBEV), sagte dazu gegenüber De Tijd, dass diese Betriebe ihre Produkte in erster Linie an die Supermarkt- und Warenhausketten verkaufen: „Die zahlen jene niedrigen Preise, die sie letztes Jahr in langfristig laufenden Verträgen mit den Fleisch-Verarbeitern vereinbart haben.“

Preise stehen nicht mehr im Verhältnis

Auf diesen Missstand hat FEBEV vor kurzem bei Treffen mit dem gesamten Sektor angesprochen, so Gore: „Wir haben die Supermärkte darauf hingewiesen, dass die Preise, die die Verbraucher gerade zahlen, in keinem Verhältnis zu den Preisen stehen, die in der Verarbeitung erzielt werden.“ Das bedeutet wohl, dass Schweinefleisch in absehbarer Zeit auch im Handel teurer werden wird, doch der Sektor ist sich dessen auch bewusst, dass man nicht die gesamte Preisentwicklung an die Verbraucher weiterreichen kann. 

Konkurrenz an den internationalen Märkten

Die fleischverarbeitende Industrie hat gerade ein weiteres Problem in Sachen Absatz. China führt gerade massiv Schweinefleisch auch aus Europa ein, denn dort herrscht die Afrikanische Schweinepest, die dort fast die Hälfte aller landwirtschaftlicher Betriebe trifft. Deutsche, dänische und niederländische Unternehmen aus diesem Sektor bekommen für das Fleisch, das aus einem ganzen Schwein gewonnen werden kann, derzeit am internationalen Markt, konkret auch im Handel mit den Chinesen, 27 € mehr als ihre belgischen Mitbewerber.

Das hat seinen Grund. Seit nämlich in Luxemburg Wildschweine entdeckt wurden, die an der Afrikanischen Schweinepest verendet sind, hat China auch ein Importverbot für Schweinefleisch aus Belgien verordnet. Solche Kadaver wurden auch im Süden Belgiens entdeckt - zuletzt noch eines im vergangenen Monaten in den Ardennen - und waren wohl über die Grenze nach Belgien gelangt. 

Erfolgslose Diplomatie mit China

Damit ist dieser riesige Markt derzeit für belgische Produzenten unerreichbar. Seit Monaten versuchen die belgischen Behörden auf diplomatischem Wege zu erreichen, dass hiesiges Schweinefleisch wieder in China zugelassen wird, so FEBEV-Vorstand Michael Gore weiter in De Tijd, „doch unlängst hat uns die chinesische Regierung deutlich gemacht, dass es keine Ausnahme geben wird. Noch ein Jahr lang darf in Belgien kein an der Afrikanischen Schweinepest erkranktes oder verendetes Schwein mehr aufgefunden werden.“

Der Sektor kann also frühestens Ende 2020 wieder Schweinefleisch nach China oder in andere asiatische Länder, wie Japan oder Südkorea exportieren. Auch dort wurde aus dem gleichen Grunde ein Einfuhrverbot aus Belgien erwirkt.