Ein Bus von De Lijn der Linie 214 am Brüsseler Nordbahnhof

Brüssel: Flämische Nahverkehrs-Gesellschaft muss wegen alten Dieselbussen Bußgelder zahlen

Die flämische Nahverkehrsgesellschaft De Lijn muss in der belgischen Hauptstadt hohe Bußgelder zahlen. Grund dafür ist die Tatsache, dass De Lijn auf ihren Linien in Richtung der Brüsseler Hauptstadt-Region häufig Busse einsetzt, die mit alten und schadstoffreichen Dieselmotoren angetrieben werden. Brüssel aber unterhält Umweltzonen für Fahrzeuge, die den neuesten Schadstoff-Richtlinien entsprechen. 

De Lijn musste laut einem Bericht der flämischen Tageszeitung Het Laatste Nieuws 2019 Geldstrafen von über 35.000 € zahlen. Brüssel arbeitet mit strengen Umwelt- und Schadstoff-Richtlinien, wogegen De Lijn häufig verstoßen hatte. Insgesamt wurden 101 Verstöße festgestellt, wie aus einer Anfrage des grünen Abgeordneten Stijn Bex (Groen) an die flämische Landesministerin für Verkehr und Mobilität Lydia Peeters (Open VLD) ersichtlich ist.

De Lijn ist ein öffentlicher Betrieb, der unter die Regie der flämischen Landesbehörden fällt. De Lijn kann in Brüssel nicht von Ausnahmeregelungen profitieren, die die regionale Umweltbehörde z.B. der Brüsseler Polizei oder der hiesigen Feuerwehr gewährt. Seit Anfang 2019 sind in der Brüsseler Umweltzone nur noch Diesel- und Benzinfahrzeuge zugelassen, die der Euronorm 2 entsprechen. Verstöße werden mit Bußgeldern in Höhe von 350 € geahndet. Hier allerdings treten die Brüsseler Regionalbehörden eher gemäßigt streng auf. Das bedeutet, dass einem Autofahrer nur ein Bußgeld pro Monat droht, auch wenn er mehrmals gegen das Regelwerk verstößt.

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass De Lijn in der Brüsseler Region mit einer Vielzahl von täglich hier eingesetzten Dieselbussen, die nicht der Euronorm 2 entsprechen, für einen enormen Schadstoffausstoß sorgt, was nur bedingt geahndet wird, kritisieren die Grünen in der Hauptstadt und in Flandern. „Die Realität ist also noch schlimmer, als aus den Bußgeldern ersichtlich ist.“, so der flämische Grünen-Abgeordnete Stijn Bex. Ab 2020 wird Brüssel mit seiner Umweltzone übrigens noch deutlich strenger. Ab dann werden auch Fahrzeuge, die den Euronormen 2 und 3 entsprechen, aus der Stadt verbannt…

De Lijn muss reagieren, sonst wird es richtig teuer

Flanderns Mobilitätsministerin Peeters ist sich der Tatsache durchaus bewusst, dass die Lage problematisch ist und dass ab Januar 2020 deutlich höhere Bußgelder drohen. Aber, das flämische Umland muss auf ländlicher Ebene mit Bussen mit der Hauptstadt verbunden sein und bleiben: „Eine Möglichkeit ist die, dafür zu sorgen, dass so schnell wie möglich neue Busse kommen.“

Sie deutete in diesem Zusammenhang an, dass eine neue Bestellung von 200 Bussen mit schadstoffarmen Motoren im Laufe des kommenden Jahres abgerundet wird. Mit diesen Bussen und mit Anpassungen im Einsatzgebiet von älteren Fahrzeugen müsste es möglich sein, auf absehbarer Zeit den Umweltnormen Brüssels mehr oder weniger zu entsprechen. Doch es wird mindestens noch ein gutes Dutzend „Dieselstinker“ geben, die De Lijn nach und in Brüssel einsetzen muss. Die angekündigte Flotte von 900 Hybrid-Bussen, die De Lijn bestellt hat, wird im Zeitraum 2023-2025 ausgeliefert.

Schon jetzt ist aber neues Ungemach vorprogrammiert. Wenn alte Dieselbusse nicht mehr in Brüssel und in den Umweltzonen von Flanderns Großstädten fahren dürfen und in dieser Hinsicht Fahrzeug-Einsatzpläne umdisponiert werden, dann werden die ländlichen Kommunen dagegen Sturm laufen, dass ausgerechnet bei ihnen „die alten Karren“ eingesetzt werden. Das wäre übrigens nicht das erste Mal, dass es zu solchen Protesten gegen De Lijn in Flandern käme…