Natuurpunt

"Alarmstufe Rot" für die Artenvielfalt in Flandern

Immer weniger Lebensraum für die Entfaltung und den Erhalt von Flora und Fauna, zu viel Stickstoff in einer landwirtschaftlich geprägten Region, exotische und invasive Tiere und Pflanzen und nicht zuletzt auch der Klimawandel lassen die Natur leidet. Laut einer aktuellen Analyse des flämischen Instituts für Natur- und Waldforschung (INBO) sind die meisten der insgesamt 43 Naturindikatoren, auf die sich die europäischen (und auch die flämischen) Ziele zur Artenvielfalt berufen, „rot“ gefärbt. Nach einem entsprechenden Beitrag der flämischen Tageszeitung De Morgen müssten in Sachen Biodiversität in Flandern die Alarmglocken schrillen. 

Nur 18 der 69 im belgischen Bundesland Flandern vorkommenden heimischen bzw. europäischen Pflanzen- und Tierarten sind gesundheitlich und bestandsmäßig in einem guten Zustand. Bei den anderen Arten, wie z. B. bei der Knoblauchkröte oder dem Hirschkäfer, gilt inzwischen überwiegend eine gewisse Bedrohung. „Fünfzehn Arten haben sich in den vergangenen 11 Jahren etwas erholt, wie zum Beispiel der europäische Laubfrosch. Das Gesamtbild ist allerdings nicht gut.“, wie Lieve Vriens vom INBO dazu angibt.

Das gleiche gilt für 2.624 geschützte Arten, die auf der „Roten Liste“ stehen. Um fast die Hälfte von Tieren und Pflanzen müsse man sich große Sorgen machen, so der Artenschutzverband. Rund 800 Arten in Europa befinden sich derzeit sogar am Rande des Aussterbens.

Insgesamt verfügt Flandern um mehr Naturschutzgebiete, doch 21 Jahre nachdem die flämische Landesregierung in ihrem Raumordnungsplan festgelegt hat, dass bis 2007 insgesamt 48.000 Hektar mehr „grüne“ Flächen eingerichtet werden sollen, hat sich zum Nachteil der Artenvielfant nicht wirklich viel getan oder verändert - im Gegenteil. Aktuell sind nur 40 % der geplanten Fläche wirklich grüne Umweltschutzgebiete.

Hinzu kommt der Klimawandel, denn auch er lässt die Biodiversität leiden (nicht nur in Flandern). Der Zeitraum von 2015 bis 2019 war hier die heißeste Periode überhaupt. Im Sommer 2018 stellte INBO  zum Beispiel auffällige Trockenheitssymptome bei Laub- und Nadelbäumen fest.

Flanderns Landesumweltministerin Zuhal Demir (N-VA) betont laut De Morgen, dass ihre Regierung auch weiterhin in die Natur investiere und dass es zu zusätzlichen Schutzmaßnahmen für gefährdete Tier- und Pflanzenarten kommen werde. Demir gab dazu an, dass dabei der Fokus auf die Widerstandsfähigkeit der Lebensräume für Flora und Fauna liegen soll.

Hilde De Windt