Nicolas Maeterlinck

Wartungsarbeiten: Kernreaktor Tihange 1 bis Juli vom Netz genommen

Der umstrittene belgische Atommeiler Tihange 1 aus dem gleichnamigen Kernkraftwerk in Huy in der Provinz Lüttich unweit ist wegen einer regulären und geplanten Inspektion heruntergefahren worden und bleibt bis Juli vom Netz genommen, wie Kraftwerksbetreiber Engie Electrabel mitteilte. Eine bereits für den vergangenen Sommer vorgesehene Abschaltung wurde aus Gründen einer mittelfristigen Energiesicherung auf den Jahreswechsel verschoben. 

Der Reaktor Tihange 1 sollte ursprünglich schon im August heruntergefahren werden, doch Engie Electrabel verschob die geplante Wartung auf den Winteranfang. Eine Kapazität von rund 1.000 Megawatt Strom sollte für die Monate November und Dezember zur Verfügung stehen, um eine Versorgungssicherheit zu gewährleisten, teilte der Kraftwerksbetreiber dazu mit. Jetzt bleibt der Reaktor Tihange 1 noch bis zum 10. Juli 2020 abgeschaltet.

Belgien bezieht noch immer einen Großteil seines Stroms aus der Atomkraft. Dazu stehen sieben Atomreaktoren in zwei Kernkraftwerken zur Verfügung. Das ist zum einen das Kraftwerk Doel bei Antwerpen unweit der niederländischen Grenze und zum anderen das Kraftwerk Tihange bei Lüttich, nur 70 km von der deutschen Grenze und Aachen entfernt.

Das Kraftwerk Tihange und insbesondere der Meiler Tihange 1 stehen im Dreiländereck zwischen Belgien, Deutschland und den Niederlanden - in der sogenannten Euregio Maas-Rhein - wegen wiederholten Schäden und Störungen in der Kritik. Für Beunruhigung sorgten vor einiger Zeit auch Meldungen zu zahllosen Haarrissen in der stählernen Ummantelung des Reaktors.

Unterhaltsarbeiten und keine Störfälle im vergangenen Jahr

Regelmäßige Unterhaltsarbeiten an den Meilern sind in dieser Form für die belgischen Atomkraftwerke alle 12 bis 18 Monate gesetzlich vorgeschrieben. Die jetzt durchgeführten Arbeiten in Tihange und auch an den Meilern in Doel bei Antwerpen sollen auch dazu dienen, Reaktoren länger in Betrieb halten zu können als ursprünglich geplant. Betreiber Engie Electrabel gibt den Investitionsbetrag für diese Unterhaltsarbeiten mit Zieleiner längeren Nutzung mit 1,3 Mia. € an.

Im vergangenen Jahr wurden lediglich sechs „nukleare Anomalien“ in den beiden Kraftwerken bzw. in den Nuklear-Forschungszentren des Landes gemeldet. Darunter war aber kein Zwischen- oder Störfall, wie die belgische Bundesagentur für Nuklearkontrolle FANC dazu mitteilte. Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung oder/und der Nahrungskette seien dabei nicht notwendig gewesen.