1,2 Millionen belgische Pensionierte bekommen weniger als 1.500 € Rente

Laut den aktuellen Statistiken des belgischen Rentenamtes erhält in etwa die Hälfte aller Pensionäre in unserem Land eine Rente, die unter 1.500 € netto liegt. Die Redaktion der frankophonen Wirtschaftszeitung L’Echo ist der Ansicht, dass diese Zahlen dazu führen werden, dass das Thema Renten in die laufenden Gespräche zur Bildung einer neuen belgischen Regierung einfließen wird.

Das Thema Renten bzw. Mindestrenten in Belgien nahm einen nicht unwesentlichen Teil des sozio-ökonomischen Bereichs des Berichts des ehemaligen königlichen Regierungsinformators Paul Magnette, Vorsitzender der frankophonen Sozialisten PS, ein. Doch dieses Thema beschäftigt laut L’Echo bei weitem nicht nur die wallonische bzw. frankophone PS, sondern die gesamte sozialistische Familie. So werden wohl auch die flämischen Sozialdemokraten SP.A dieses Thema in die laufenden Informationsgespräche einbringen und auch dann, falls sie in effektive Koalitionsgespräche involviert werden.

Das Thema Renten beschäftigt weite Teile der gesamten belgischen Bevölkerung, denn eigentlich ist fast jede Familie davon betroffen. Fakt ist, dass rund die Hälfte aller Rentner in unserem Land brutto weniger als 1.750 € Rente beziehen. Netto beläuft sich diese Summe auf knapp unter 1.500 €. Dies ist in allen Ländern und Regionen des  Belgiens der Fall, wie das Wirtschaftsblatt zeigt. In der Wallonie sind 348.353 Pensionäre davon betroffen, in der Region Brüssel-Hauptstadt aktuell 70.838 und in Flandern sogar 715.916. Hinzu kommen 93.554 verrentete Belgier, die im Ausland leben.

Der ehemalige belgische Finanzminister und heutige Fachmann für Rentenfragen auf politischer Ebene, Franck Vandenbroucke (SP.A), sagte dazu gegenüber L’Echo: „Diese hohe Zahl betrifft in erster Linie Arbeitnehmer mit einer unvollständigen beruflichen Laufbahn.“. Das sind z.B. Frauen, die nur ein kurzes Berufsleben hinter sich haben oder die fast nur in Teilzeit gearbeitet hatten.

Bezahlbar? 

Ein weiterer gesellschaftlicher Teil, der von einer unzureichenden Rentenabsicherung betroffen ist, sind die ehemaligen Selbständigen, die oftmals noch weniger Rente beziehen, als Arbeitnehmer. Etwa 67 % aller pensionierten Selbständigen erhalten weniger als 1.500 € Rente netto. Doch auch knapp 37.000 frühere Beamte sind davon laut Statistik des Rentenamtes in Brüssel davon betroffen.

Wie eine neue belgische Bundesregierung mit diesem Thema umgehen wird, bleibt abzuwarten, doch der Bereich (Mindest)Rente wird in die Regierung- bzw. Koalitionsbildung einfließen. Dessen sind sich Rentenfachmann Vandenbroucke und das Wirtschaftsblatt L’Echo einig. Übrigens: Eine vollständige Laufbahn für eine vollständige Rente soll in Zukunft 45 Jahre Berufsleben umfassen. Und eine absolute Mindestrente in Belgien beläuft sich derzeit auf 1.266 €… 

Allerdings, so meldet die flämische Wirtschaftszeitung De Tijd ergänzend hinzu, würde das Heraufsetzen der Mindestrente auf über 1.500 € mit 1,25 Mia. € zu Buche schlagen. Auch dies hält Ex-Regierungsinformator Magnette in seinem Bericht fest. Das belgische Planbüro, dass Entwicklungen vor allem in finanzieller Hinsicht vorausschauend analysiert, geht sogar von bis zu 3,2 Mia. € aus. Dies sei unbezahlbar, verlautet aus Kreisen des Selbständigenverbandes UNIZO, denn die Arbeitgeber finanzieren über ihre Sozialbeiträge die Renten mit.