Der Ruander Neretsé geht gegen seine Verurteilung wegen Völkermord in Kassation

Fabien Neretsé, der kurz vor Weihnachten von einem Brüsseler Schwurgericht wegen des Völkermordes in der früheren belgischen Kolonie Ruanda zu 25 Jahren Haft verurteilt wurde, geht in Kassation. Der 71-Jährige will dieses Urteil anfechten und akzeptiert eine Verurteilung wegen Kriegsverbrechen beim Genozid in Ruanda 1994 nicht.

Fabien Neretsé (Foto), ein ehemaliger hoher Beamter der Regierung Ruandas, wurde am 20. Dezember von einem Brüsseler Schwurgericht nach sechs Wochen Verhandlungen und zwei Tagen Beratung zu 25 Haft wegen mehreren Morden und Mordversuchen, die als Kriegsverbrechen gewertet werden, verurteilt. Diese Taten fanden während des Völkermordes in Ruanda 1994 statt. Damit war Neretsé der erste Angeklagte, der sich vor einem belgischen Gericht für Völkermord verantworten musste (siehe nebenstehenden Beitrag). 

Neretsé, der seit vielen Jahren in Frankreich lebt, musste sich für eine ganze Reihe schwerer Verbrechen verantworten. 12 dieser Fälle fanden nachweislich am 9. April 1994 in Kigali statt. Das waren 9 Morde und 3 Mordversuche. Mindestens zwei weitere Fälle sind aus Matabi bekannt und sollen jeweils im Mai und im Juni 1994 stattgefunden haben. Bei einem Verfahren in der ruandischen Hauptstadt Kigali wurde Neretsé von zwei Morden freigesprochen.

Zu seiner Verteidigung gab Fabien Neretsé an, er habe bereits 1992 alle wichtigen und offiziellen Ämter abgegeben und er habe auch keine leitenden Funktionen bei Interahamwe gehabt. Das war die Jugendbrigade der damaligen ruandischen Regierungspartei MRND, die seinerzeit für zahllose Morde und Kriegsverbrechen im Zuge des Genozids verantwortlich war.

Neretsés Anwalt Jean Flamme gab zur Entscheidung, in Kassation gegen dieses Urteil zu gehen, bekannt, dass man sich gegen alle gegen seinen Mandanten erhobenen Vorwürfe verwehre. Er sei ebenfalls der Überzeugung, dass die sofortige Verhaftung seines Mandanten nach der Urteilsverkündung gegen geltendes Gesetz verstoße. Sein Klient müsse sofort freigelassen werden, so Anwalt Flamme.