"Europa muss kostenlose Rückgabe von Paketen verbieten", fordert die belgische Schuhkette Torfs

Jeder vierte Schuhkarton, der online bei Torfs verkauft wird, wird zurück in den Laden geschickt. Kostenlose Rücksendungen sind nicht länger hinnehmbar, sagt der CEO Wouter Torfs in der Zeitung De Morgen. Doch könne man die Kunden nicht zur Kasse bitten, wenn die großen Unternehmen das auch nicht machten. Deshalb schlägt Torfs vor, dass die Regierung eingreifen solle.

Wenn Kunden Schuhe online bei der belgischen Schuhhandelskette ‘Schoenen Torfs‘ bestellen, kommt jeder vierte Schuhkarton zurück in den Laden. Es handelt sich bei Torfs um 26 Prozent. Zumeist stelle sich heraus, dass die Schuhe nicht passten oder dem Kunden doch nicht gefielen. Nach Auffassung von CEO Wouter Torfs könne dieses Modell des Einkaufens im 21. Jahrhundert nicht aufrecht erhalten werden.

Bei ‘Schoenen Torfs‘ sei der Anteil der Rücksendungen noch nicht einmal so hoch. "Wenn man sich die großen Spieler wie Zalando anschaut, hört man Prozentsätze von 50 oder 60 Prozent", so Torfs. "Ich frage mich, wie sozialverträglich das heute noch ist."

Es gehe zum einen um die Rentabilität des E-Commerce. "Wenn Sie einen Rückgabeprozentsatz von 50 Prozent auf diesen E-Commerce haben, ist er nicht rentabel." Das sei einfach nicht möglich. "Der Transport eines Paares Schuhe kostet uns 3 Euro. Das müssen wir zweimal bezahlen, wenn die Schuhe zurückgebracht werden."

Der Preis für die Rücksendungen sei für den Schuhhändler Torfs aber gar nicht einmal das Problem. Der Preis für die Staus, die diese Rücksendungen verursachten und die immer länger würden, aber schon. Für diesen unnötigen Transport müssten wir schließlich alle zahlen, meint Torfs.

Gratis-Rücksendungen seien daher nicht haltbar, fährt Torfs fort. "Doch natürlich werden wir die Kunden nicht bezahlen lassen, wenn die großen Spieler es auch nicht machen. Deshalb schlage ich vor, dass die Regierung eingreift."

Weiter gibt Torfs zu Bedenken: "So etwas sollte nicht auf belgischer Ebene geregelt werden, denn der größte Teil des E-Commerce in unserem Land kommt aus dem Ausland. Deshalb muss Europa den Unternehmen auferlegen, einen Zusatzpreis zu verlangen, wenn die Kunden ihre Pakete zurücksenden. Wenn Sie dann zehn Paar Schuhe bestellen und neun zurückschicken, geht die Rechnung auf".

Torfs will die Öffentlichkeit auch noch daraufhin weisen, dass beim Kauf der Verbraucher in ausländischen Webshops, diese erkennen müssten, dass dann in Belgien auch keine Steuern gezahlt würden. Und  hierzulande gebe es folglich auch keine Investitionen.

Ungleicher Wettbewerb?

Für die Unternehmen sei die kostenlose Rückgabe, die den Verbrauchern gewährt werde, auch ein Wettbewerbsvorteil. Wer als Unternehmen Vereinbarungen darüber trifft, verletze jedoch den freien Markt.

„Nur wenn Alibaba und Amazon umschwenken, werden die kleineren Unternehmen folgen, aber für die großen Unternehmen ist das die Essenz ihres Geschäftsmodells“ so Torfs auch noch.

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