Copyright 2019 The Associated Press. All rights reserved.

Höhere Ölpreise und rote Zahlen auf Aktienmärkten: werden wir Konflikt zw. USA und Iran in unserer Brieftasche spüren?

Die gestiegenen Spannungen zwischen den USA und dem Iran nach der Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani in der vergangenen Woche durch die USA sind noch immer an den Finanzmärkten spürbar. Die Zahlen an den Aktienmärkte haben sich weltweit rot gefärbt und die Ölpreise befinden sich seit einigen Tagen auf einem hohen Preisniveau. Doch werden wir das schon bald auch in unserem Portemonnaie zu spüren bekommen? Experten beruhigen uns zunächst einmal.

Schon den ganzen Vormittag über das gleiche Bild an den Börsen: Nachdem unter anderem der japanische Nikkei225-Index um 1,9 Prozent niedriger schloss, starteten auch die europäischen Börsen im Minus. So sank der Bel20, der die wichtigsten belgischen Aktien umfasst, um rund 1,5 Prozent, und auch der Euro Stoxx 50, der Index mit den wichtigsten europäischen Aktien, fiel um mehr als 1 Prozent.

Das sind deutlich rote Zahlen, aber auch keine Extreme, beruhigt Erik Joly, Chefökonom bei ABN Amro Private Banking. "Man kann noch nicht von wilder Panik sprechen", sagt er. Dieselbe Botschaft ist von Hans Bevers von der Geschäftsbank Degroof Petercam im VRT-Radio am Morgen zu hören: "Wir sollten den Schaden nicht überbewerten, er ist im Moment noch überschaubar".

Streben nach Sicherheit

Gleichzeitig kann man sehen, dass die "sicheren Häfen", wie Gold, der japanische Yen und der Schweizer Franken, sehr beliebt sind, so Bevers. Joly schließt sich ihm an: "Der Goldpreis liegt derzeit bei etwa 1.575 Dollar je Unze. Das ist der höchste Stand der letzten 6 Jahre. Auch der Yen befindet sich auf dem stärksten Niveau der letzten 3 Monate. Es kann also eindeutig eine Vorliebe für Gewissheit festgestellt werden."

Der Ölpreis (Brent-Öl) schwankt seit einigen Tagen bei einem Niveau von 70 Dollar pro Barrel. "Das ist eine Steigerung, aber sicher nicht exorbitant. Im Zeitraum September 2018 kostete das Brent 85 Dollar pro Barrel." Joly erwartet kurzfristig noch einen gewissen Druck auf diesen Preis, aber seiner Meinung nach werde die Versorgung nicht direkt beeinträchtigt.

Und unsere Brieftasche?

Eine Zunahme der Ölpreise werden wir wahrscheinlich noch am ehesten an der Tankstelle zu spüren bekommen. "Wenn der Ölpreis zu stark steigt, können wir nicht ausschließen, dass dies auch die Verbraucher im Westen betrifft", betont Bevers. "Menschen in Ländern, die viel Öl importieren, werden ihre Kaufkraft sinken sehen. Es wird auch den Unternehmensinvestitionen nicht zugutekommen."

Doch Joly und Bevers wollen erst einmal abwarten, ob und wie der Iran auf den amerikanischen Angriff reagieren wird. "So schlimm es auch klingen mag, aber ein isolierter Angriff auf eine amerikanische Botschaft wird meiner Meinung nach nicht von der Art sein, den Wirtschaftsprozess weiter durcheinander zu bringen", so Joly. "Ich denke, wir sollten besser den Handelsstreit zwischen China und den USA im Auge behalten. Das nutzt der Wirtschaft direkt."

"Sehen Sie, Wirtschaft ist vor allem eine Frage des Vertrauens. Wir waren auf dem guten Weg dorthin, weil es schien, als sei eine Teillösung für diesen Handelskonflikt gefunden. Es stellt sich also die Frage, wie weit dieser Konflikt mit dem Iran getrieben wird. Dann muss man den Ölpreis im Auge behalten, der nach wie vor Auswirkungen auf das Wirtschaftssystem hat. Doch kurzfristig sehe ich keine größeren Probleme voraus."

Bevers rechnet sogar mit einer moderateren iranischen Reaktion. "Es ist wichtig zu wissen, dass die iranische Wirtschaft seit einiger Zeit stillsteht, besonders seit Donald Trump 2018 aus dem Iran-Atom-Abkommen ausgestiegen ist. Die Ölexporte sind erheblich zurückgegangen, die iranische Währung ist stark gefallen und die Inflation steigt deutlich an. Im Iran ist es manchmal zudem schwierig, an grundlegende Dienstleistungen wie Medikamente zu kommen. Das ist ein Grund zu der Annahme, dass der Iran versuchen wird, auf moderatere Weise Vergeltung zu üben. Es wird also kurzfristig nicht sehr aus dem Ruder laufen, denke ich."