"Für Electrabel können die Kernkraftwerke dicht gemacht werden"

Der Energie-Konzern Engie Electrabel, der in Belgien u.a. die Kernkraftwerke von Doel bei Antwerpen und Tihange bei Lüttich betreibt, hat offenbar kein Problem mehr mit dem Atomausstieg. Engie-Vorstand Johnny Thijs (Foto) gab gegenüber dem belgischen Wirtschaftsmagazin Trends/Tendences zu verstehen, dass man in diesem Fall die Hälfte der im Zuge dessen benötigten Gastkraftwerke bauen wolle.

„Wir fordern die Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke nicht. Wir legen allerdings den vollständigen Vorgang auf den Tisch der Behörden. Nach Ansicht unserer Experten wäre es allerdings aus Gründen der Einfachheit, der Umweltfreundlichkeit und aus Kostengründen besser, zwei oder vielleicht drei Kernreaktoren weiter offen zu halten“, so Engie-Vorstand Thijs in Trends/Tendences.

Derzeit befindet sich Belgien in der Frage der Energiesicherheit in einer Art Vakuum. Bisher wurde noch kein Entschluss darüber gefasst, ob einigen Reaktoren eine Laufzeitverlängerung gewährt wird oder ob man die Energiewende mithilfe von Gaskraftwerken einleiten soll.

Johnny Thijs glaubt, dass in einer ersten Phase beides notwendig ist, denn derzeit sei der Markt bzw. der Marktpreis nur schwerlich zu bestimmen und kaum vorauszusagen: „Makro-ökonomisch muss er steigen, denn es kommen elektrische Autos, elektrische Heizungen usw. Doch wenn es viel Wind und Sonne gibt, kann er sogar negativ sein. Ohne eine Form von Gewinngarantien wird niemand ein Gaskraftwerk bauen.“

Engie verbindet eine Laufzeitverlängerung seiner AKW an einige Bedingungen, wie Thijs abschließend bemerkt: „Eine faire Rendite, die Rechnung mit den Risiken des Betreibers trägt.“