Nicht mal der Tod ist umsonst - Sterben in Brüssel kostet (viel) Geld

In den meisten der 19 Gemeinden in der Region Brüssel-Hauptstadt werden im Sterbefall Gebühren erhoben. Diese Gebühren sind nicht  nur in Brüssel selbst umstritten und gelten gemeinhin als „versteckte Steuer“. Die Angehörigen von in Brüssel verstorbenen Personen müssen eine solche Gebühr an die jeweilige Gemeinde Zahlen. Das betrifft auch Verstorbene, die nicht in der Brüsseler Region lebten, die aber zum Beispiel in einem Krankenhaus in der Hauptstadt ihr Leben aushauchten…

In Flandern ist diese Brüsseler Sterbegebühr sehr umstritten, denn die Angehörigen von Flamen, die in einer Brüsseler Universitätsklinik verstorben sind, werden erst freigegeben, wenn die entsprechend anfallende Gebühr bei der jeweiligen Gemeinde eingegangen ist. Dies führt in Zeiten von Trauer nicht selten zu überflüssiger Frustration und so mancher Angehöriger fühlt sich dabei erniedrigt. Auch aus diesem Grunde fordert der Verband der flämischen Beerdigungsunternehmer eine Abschaffung dieser Gebühr, weswegen dieses Thema gerade hier akut wird. Zum Jahreswechsel wurden einige Gebühren sogar noch erhöht.

Als Beispiel sei hier die Brüsseler Gemeinde Jette angeführt. Jette nahm 2019 nicht weniger als 181.500 € an dieser Sterbegebühr ein. Dazu ist zu bemerken, dass sich auf dem Gemeindegebiet von Jette die Brüsseler Universitätsklinik UZB befindet… Hier wurden pro Sterbefall letztes Jahr 220 € Gebühr verlangt, womit diese Gemeinde auch noch die höchste derartige Steuer einfordert. 2020 werden sogar 224,50 € fällig. 

Jeder Brüsseler Gemeinde steht es frei, eine Sterbegebühr zu erheben

Im Grunde ist es seit einiger Zeit jeder einzelnen der 19 Brüsseler Gemeinden selbst überlassen, ob sie eine solche Gebühr einfordert und in welcher Höhe. Nur zwei Kommunen in der Hauptstadt-Region sehen derzeit davon ab: Koekelberg und Sint-Gillies. In Sint-Agatha-Berchem bezahlt man 164 €, in Vorst 150 €. Evere berechnet lediglich 12 € Unkosten.

Ein anderer sehr umstrittener Fall ist die Gemeinde Sint-Lambrechts-Woluwe. Hier befindet sich die Uniklinik UZ Saint-Luc. Hier verlangt die Gemeindeverwaltung eine Gebühr in unterschiedlicher Höhe. Ist man Einwohner von Sint-Lambrechts-Woluwe, wird dieses Jahr im Sterbensfall eine Gebühr von 83 € erhoben. Kommt man nicht von hier uns stirbt zum Beispiel in der dortigen Uniklinik, dann müssen die Angehörigen zur Freigabe des Leichnams 213 € berappen. Insgesamt starben in der gesamten Hauptstadtregion im vergangenen Jahr in den Brüsseler Kliniken 825 Patienten, die bei weitem nicht alle aus der Hauptstadt-Region stammten…