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Audit beim flämischen Verkehrsbetrieb De Lijn - Landesregierung lässt sich auch in NRW inspirieren

Die flämische Landesregierung unterzieht die regionale Nahverkehrsgesellschaft De Lijn einem Audit, der auch mit einer vergleichenden internationalen Studie einhergeht. Ziel ist, Möglichkeiten zu finden, wie sich die derzeit in der Kritik stehende regionale Verkehrsgesellschaft De Lijn auf die Zukunft vorbereiten soll. Beispiele liefert die regionale Nahverkehrspolitik in Schottland und im Süden der Niederlande. Doch auch die Verkehrsverbünde in Nordrhein-Westfalen werden hier zur Inspiration genutzt.

Flanderns liberale Ministerin für Verkehr und Mobilität Lydia Peeters (Open VLD) kündigte schon letztes Jahr an, dass sich De Lijn grundlegend auf eine Zukunft einer Nahverkehrspolitik vorbereiten soll, die sich mit der Konkurrenz mit der Privatwirtschaft messen muss: „Will De Lijn auch nach 2020 ihr Monopol behalten, dann muss sie einem Vergleich mit privaten Unternehmen standhalten.“

Gegenüber der flämischen Tageszeitung De Morgen sagte sie bereits Ende 2019, dass dies die Zukunft von De Lijn mitbestimmen werde: „Wenn ihr dies gelingt, dann ist sie bis 2030 sicher. Wenn nicht, dann verliert sie ihren Status und wird durch ein anderes Unternehmen ersetzt.“

Die Landesregierung gab zu diesem Zweck eine vergleichende Studie in Auftrag. Darin ist festgelegt, dass De Lijn innerhalb von 10 einzelnen Punkten bewertet wird. Dazu gehören die Produktivität, die den Fahrgästen gebotene Qualität, die durchschnittlichen Tarife je nach Kilometer oder auch die eigene Kostendeckung durch den Verkauf von Fahrkarten oder Abonnements. 

Internationaler Vergleich

Nach den Vorgaben des flämischen Verkehrsministeriums werden gleich mehrere europäische Regionen zum Vergleich herangezogen. Das sind Transport Schottland (mit u.a. FirstGroup, Schottish Citylink, oder Lothian Busses), Unternehmen aus den südlichen Provinzen der Niederlande, wo z.B. die Deutsche Bahn-Tochter Arriva im Geschäft ist und auch die Verkehrsverbünde in NRW: AVV in der Aachener Region, VRR (Rhein-Ruhr), VRS (Rhein-Sieg) und der Westfalen-Tarif. Daneben werden auch private ÖPNV-Anbieter analysiert, wie z.B. die französische SNCF-Tochter Keolis oder Hansea (ehemals Veolia). 

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© Stefaan Van Hul

Unruhe bei De Lijn

Die Verantwortlichen und die Gewerkschaften bei De Lijn merken damit, dass  jetzt „Äpfel mit Äpfeln verglichen werden“. Dort wird warnend angeführt, dass die Abo-Tarife in den benachbarten Niederlanden deutlich höher liegen, als bei uns und dass man in Schottland mit längeren Distanzen arbeiten könne, was wirtschaftlich besser sei.

Der Audit mit seiner vergleichenden Studie kommt für De Lijn zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Die Gewerkschaften und die Direktion stehen sich wegen eines seit langem ungelösten Tarif- und Sozialkonflikts säbelrasselnd gegenüber, innerhalb des Verwaltungsrates herrscht kaum noch Einigkeit, die Fahrgäste waren noch nie derart unzufrieden und die Verkehrsgesellschaft steht wegen zahlreichen veralteten Dieselbussen auch klima- und umwelttechnisch in der Kritik.

Zudem steht im flämischen Koalitionsvertrag, dass so oder so Teile des Auftrags von De Lijn an private Konkurrenten vergeben werden. De Lijn-CEO Roger Kesteloot gab dazu Ende letztes Jahr gegenüber De Morgen an, dass diese oder ähnliche Vorhaben für einige flämische Subunternehmer, sie seit vielen Jahren exklusiv Dienstleister für De Lijn sind, das Aus bedeuten würden…