Michele D'Ottavio

Cyberattacke legt Textilmaschinen-Hersteller Picanol lahm

Ein Cyberangriff hat am Montag weite Teile des flämischen Seil- und Tau- sowie Webmaschinen-Herstellers Picanol lahmgelegt. Davon betroffen ist nicht nur das Stammwerk im westflämischen Ypern, sondern auch die Produktionsstätten des Unternehmens in Rumänien und in China. Die Picanol-Kollegen in China waren die ersten, die davon betroffen waren. Danach weitete sich das Problem auf fast das gesamte IT-Netz bei Picanol aus.

Schnell stellte sich heraus, dass es sich dabei um einen Angriff mit sogenannter „Ransomware“ handelt. Das ist eine Software, die ein IT-System verschlüsseln kann, wodurch ein Unternehmen den Zugriff auf die eigenen Systeme mehr hat. Cyberkriminelle fordern damit eine Art Lösegeld, zumeist in einer virtuellen Währung wie Bitcoin, um diese Systeme wieder freizugeben. Bei Picanol ist bis zum Montagnachmittag aber noch keine entsprechende Lösegeldforderung eingegangen. Später gab das Unternehmen an, auf eine entsprechende Forderung nicht eingegangen zu sein. Man habe sich dafür entschieden, den Fall der Polizei zu melden, hieß es dazu. 

Dieser Angriff sorgte dafür, dass weite Teile der Produktion, vor allem jene, die computergesteuert sind, lahmgelegt sind. Einige Abteilungen können zwar noch gewebte Seile und Taue verseilen und produzieren, doch die derzeit produzierte Menge ist eher als klein zu bezeichnen. Die Webseite von Picanol und der IT-gesteuerte Austausch zwischen den einzelnen Produktionslinien des Unternehmens, sowohl innerhalb eines Standortes als auch zwischen den verschiedenen Standorten in Belgien, China und Rumänien sind derzeit quasi außer Kraft. Wie lange das Unternehmen noch mit den aktuellen Lagerbeständen arbeiten kann, ist unklar.

Picanol beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter von denen 1.600 im Stammwerk in Ypern arbeiten. Daneben betreibt das Unternehmen, das als Hersteller von Seilen und Tauen entstanden ist, inzwischen aber Webmaschinen und andere Maschinen für die Textilindustrie produziert, weitere 14 Standorte weltweit - auch in den USA. Picanol ist nicht das erste belgische Unternehmen, das von Cyberkriminellen angegriffen wurde. Auch Asco, ein Produzent von Flugzeugbauteilen aus Zaventem in Flämisch-Brabant und die Universität von Antwerpen wurden schon auf diese Art und Weise lahmgelegt.