Belgische Bahn setzt neue Waggons ein, die offenbar nicht behindertengerecht sind

Noch im Januar wird die belgische Bahngesellschaft NMBS/SNCB ihre neuen Doppelstockwagen einsetzen. Diese Fahrzeuge sollen vorerst in den Stoßzeiten eingesetzt werden, wenn viele Berufspendler unterwegs sind. Die ersten aus diesen Waggons gebildeten Züge werden zwischen Lüttich und Brüssel zum Einsatz kommen. Doch noch vor ihrem eigentlichen Einsatz stehen diese Waggons in der Kritik und zwar wegen der Einstiegsproblematik für Personen mit körperlicher Beeinträchtigung.

Die NMBS/SNCB hatte 2015 insgesamt 445 Doppelstockwaggons von Typ M7 beim kanadischen Schienenfahrzeughersteller Bombardier bestellt, die teilweise auch im Werk Brügge gebaut wurden und noch werden. Mit Zügen, die aus diesen neuen Waggons zusammengestellt werden, sollen mehr Reisende bei einer besseren Fahrgastqualität befördert werden und die Bahn will die Pünktlichkeit der Züge mit neuen Fahrzeugen fördern.

Doch noch bevor diese Waggons zum Einsatz kommen, wird Kritik laut. Der Hohe Rat für Personen mit einer Beeinträchtigung gibt ab, dass diese Fahrzeuge nicht der Höhe der Bahnsteige in den belgischen Bahnhöfen entsprechen. Die Waggontüren seien entweder zu tief oder zu hoch, was dazu führe, dass Personen mit Beeinträchtigung Hilfe von Dritten brauchen, um ein- oder auszusteigen. Besonders Rollstuhlfahrer seien davon betroffen.

Die Höhenunterschiede sollen zwischen 8 und 13 Zentimetern liegen, was für die Betroffenen oft enorme Probleme darstellen kann. Normalerweise werden Rollstuhlfahrer, die ihre Fahrt im Vorfeld anmelden, von Bahnmitarbeitern über Rampen in den Zug gebracht oder wieder nach draußen. Das mag beschwerlich sein, halt aber bisher zumindest teilweise. Dass sich die NMBS/SNCB in dieser Frage einmal mehr als nachlässig erweist, ist schade und in gewissem Maße auch weltfremd.

Doch auch der Hohe Rat für Personen mit Beeinträchtigung muss sich vorwerfen lassen, unachtsam gewesen zu sein. Über diese M7-Waggons wird seit der Bestellung in den Medien berichtet, auch bei uns bei VRT NWS. Warum wurde die Bahn  nicht von Anfang an von einer Einrichtung wie dieser darauf hingewiesen, die Zugänglichkeit für behinderte Personen zu beachten? Jetzt kommt die Kritik bei der Auslieferung der Waggons und eben leider zu spät. Ein weiteres Problem sind belgienweit Bahnsteige, die unterschiedliche Höhen aufweisen. Diese sind zum Teil weit über 100 Jahre alt und stammen nicht selten aus der Anfangszeit der Eisenbahn.