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Internetpanne bei flämischen Gemeinden und Hackerprobleme bei Unternehmen

Am Dienstag konnten zahlreiche flämische Städte und Gemeinden nicht auf das Internet zurückgreifen. Der Grund dafür lag bei technischen Problemen beim Internetprovider Belnet, der auch am Mittwoch noch nicht ganz behoben war. Zeitweise war etwa jede dritte Kommune von Internet abgeschlossen. Inzwischen meldet das Textil- und Maschinenbauunternehmen Picanol in Ypern, dass das Hacker-Problem wohl noch die ganze Woche für einen Stillstand der Produktion sorgen wird. 

Der Provider Belnet bietet Internetlösungen mit hoher Bandbreite und das gesamte Verwaltungsnetz der flämischen Städte und Gemeinden ist daran angeschlossen. Belnet arbeitet mit einer Art Datenkreuzungen, doch am Dienstag waren drei dieser Knotenpunkte gestört.

Belnet bietet seine Dienste nicht nur den Kommunen, sondern auch Forschungseinrichtungen, anderen Behörden und auch Hochschulen sowie Universitäten. Die Störung bei Belnet entstand im Zuge einer umfassenden Update-Aktion für die Software.

Der Provider informierte seine Kunden, die ja per Internet nicht mehr zu erreichen waren, via Twitter. Mehrere Schulen und Hochschulen waren ebenso betroffen. Am Dienstagabend war noch immer der Belnet-Knotenpunkt von Kortrijk in Westflandern betroffen, was für Probleme im dortigen System der angeschlossenen Einrichtungen führte. Bis zum Mittwochmorgen waren noch nicht alle Probleme gelöst. 

Picanol wohl die ganze Woche von Hackern lahmgelegt

Die Weberei- und Textilmaschienen-Firma Picanol in Ypern in Westflandern teilt mit, dass die Produktion an ihren Standorten in Belgien, Rumänien und China wohl noch die ganze Woche ausfallen muss. 

Das Unternehmen ist seit einigen Montag Opfer von Hackern, die mit einer sogenannten „ransomware“ das System der Gruppe lahmgelegt haben. Um das Hacking zu entschlüsseln, verlangen die Cyberkriminellen ein Lösegeld, wohl in Form einer virtuellen Währung, wie z.B. Bitcoin.

Picanol ging auf diese Lösegeldforderung nicht ein und ging zur Polizei. Diese Art von Hacking wird immer professioneller und solche Angriffe erfolgen immer häufiger. Cédric De Vroey, ein ethischer Hacker, sagte dazu, dass die Zeit der anarchischen Hacker und Nerds, die von zu Hause aus versuchen, auf diesem Weg zu Reichtum zu gelangen, zu Ende sei. Er rät allen Unternehmen, sich im Internet abzusichern. 

Weiterer Betroffener, weitere Warnungen

Neben Picanol wurde in diesen Tagen auch die Baufirma „Bouwpunt O.V.B.“ Opfer von Hackern. Hier fand man eigenhändig eine Lösung des Problems und zahlte trotzdem kein Lösegeld. Das Unternehmen kann ab sofort wieder arbeiten. Allerdings wurden hier die ersten Probleme bereits Mitte Dezember 2019 festgestellt, doch erst in der vergangenen Woche legten die Hacker die Baufirma völlig lahm.

Inzwischen rufen auch die flämischen Landesbehörden dazu auf, dass die Unternehmen ihre IT-Systeme absichern sollen. Doch auch Arbeitnehmer sollten wachsam bleiben, vor allem dann, wenn sich Emails unbekannter Herkunft mit z.B. kryptischen Adressen einstellen. Hacker brauchen nur ein Passwort eines einzigen Mitarbeiters eines Unternehmens oder einer Behörde, um sich in IT-Systeme einschleichen zu können.