Foto BRF

Unsere Kollegen des BRF feiern dieses Jahr ihren 75. Geburtstag

Am 1. Oktober 1945 startete das öffentlich-rechtliche Radioprogramm deutscher Sprache in Brüssel mit 20 Minuten Sendezeit täglich. In diesem Jahr begeht der daraus entstandene Belgische Rundfunk (BRF) das Jubiläum seines 75-jährigen Bestehens. Der Sender feiert dieses Ereignis mit einer ganzen Reihe von Jubiläumsveranstaltungen mit viel (Radio-)Geschichte, Unterhaltung und offiziellen Feierlichkeiten. Der Anfang der deutschsprachigen Programme so kurze nach dem Zweiten Weltkrieg gestaltete sich als nicht unbedingt einfach.

Den Auftakt der Jubiläumsfeierlichkeiten bildet im März ein musikalischer Streifzug von 1945 bis 2020, dokumentiert mit Schallplattencovern und CD-Hüllen. Die Cover werden mit einem QR-Code versehen, über den zusätzliche Angeben zu Titel, Interpret usw. abrufbar sind. Die Plattenhüllen sind nach Jahrzehnten gruppiert. Zur Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, den 22.3.2020, findet eine Wunschsendung im Foyer des BRF-Funkhauses am Kehrweg in Eupen mit Publikum statt, bei der die Hörer sogar ihre eigenen LPs und CDs für die Sendung mitbringen können. Mit technischen Exponaten entsteht eine Art „begehbares Radiomuseum“ mit Plattenspielern, Tonbandgeräten, alten Radioempfängern bei dem sich alt und neu gegenüberstehen.

Ab Mitte Juni blickt der BRF dann mit einer Sendereihe zurück auf die wichtigsten Ereignisse der vergangenen 75 Jahre. Jede Sendung steht für ein Jahr. Als roter Faden dienen die wichtigsten Ereignisse des Jahres - lokal und international. Daraus wird ein Klangbild produziert, das z.B. Zitate, Musik und Nachrichten umfasst. Die Autoren dieser Sendereihe sind Els Herrebout, die Leiterin des ostbelgischen Staatsarchivs in Eupen, Klaus-Dieter Klauser vom  ostbelgischen Geschichts- und Museumsverein „Zwischen Venn und Schneifel“ und der Biograph der Stadt Eupen, Werner Miessen.

Am ersten Juli-Wochenende findet auf dem Vorplatz des BRF-Funkhauses eine große Geburtstagsparty für alle Hörerinnen und Hörer und auch für die BRF-Mitarbeiter statt.

Am ersten Juli-Wochenende wird auf dem Vorplatz des BRF-Funkhauses und des Parlaments der Deutschsprachigen Gemeinschaft Ostbelgiens (beide Einrichtungen sind Nachbarn), eine große Geburtstagsparty für alle Hörerinnen und Hörer und auch die BRF-Mitarbeiter stattfinden. Die offizielle Geburtstagsfeier am Tag genau 75 Jahre nach der ersten deutschsprachigen Sendung erfolgt am 1. Oktober mit Musik, Ballett und Interviews mit anschließendem Empfang. Neben dem Rückblick auf die bewegte BRF-Geschichte wird auch einen Ausblick in die Zukunft der Medienwelt gegeben.

BRF aktuell

Der Belgische Rundfunk (BRF), früher Belgischer Hör- und Fernsehfunk (BHF), ist die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Ostbelgien. Bis zu den ersten Stufen der Staatsreform und der ersten Schritte der Föderalisierung Belgiens Ende der 1970er Jahre war der BHF integraler Bestandteil der staatlichen Radiodiffusion-Télévision Belge/Belgische Radio en Televisie (RTB/BRT).

Der heutige BRF mit seinen etwa 70 festen und zahlreichen freien Mitarbeitern hat seinen Sitz in der DG-Hauptstadt Eupen und residiert in einem recht neuen Gebäude am Kehrweg (Foto unten) mit dem Stadion der AS Eupen und dem Parlament der DG als Nachbarn. Er strahlt zwei Hörfunk- und ein Fernsehprogramm aus. Sendestudios befinden sich außer in Eupen noch in Sankt Vith mit einem Regionalstudio und in Brüssel mit Hauptstadtstudio im gemeinsamen Funkhaus mit den öffentlich-rechtlichen Sendern VRT und RTBF.

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Das BRF-Funkhaus

Die Schwerpunkte der BRF-Berichterstattung bilden neben dem internationalen und innerbelgischen Geschehen vor allem die Tagesaktualität in der Deutschsprachigen Gemeinschaft mit ihren Gemeinden sowie alle Themen von Belang für die in Ostbelgien lebenden Menschen aus den Dreiländerecken Belgien-Deutschland-Niederlande (Euregio Maas-Rhein) bzw. Belgien-Deutschland-Luxemburg (Saar-Lohr-Lux).

Der BRF arbeitet mit vielen Medienpartnern im In- und Ausland zusammen, z.B. mit Regionalsendern aus der Provinz Lüttich, aus der flämischen und der niederländischen Provinz Limburg und aus Deutschland (Deutschlandfunk, SWR Trier, Zeitungsverlag Aachen) aber auch aus dem weiteren Ausland, wie z.B. aus der Schweiz und aus Südtirol.

Ein Blick in die Geschichte

Die Hörfunksendungen des belgischen Rundfunks in deutscher Sprache gehen auf den 1. Oktober 1945 zurück, als im Funkhaus im heutigen Radiomuseum und Kulturzentrum Flagey in Brüssel (Foto ganz unten) die ELA (Emissions en langue allemande/Sendungen in deutscher Sprache) mit Irene Janetzky starteten (Foto unten). Nur 20 Minuten täglich dauerte eine Sendung. Nach einer schwierigen Anfangszeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, in der alles was deutsch war oder klang verdächtig war, hatte die aus Janetzky und einem weiteren Mitarbeiter bestehende Redaktion kaum journalistischen Spielraum hatten und sollte eigentlich das belgische Staatsgeschehen vermitteln.

Im Laufe der Zeit, speziell in den 1970er Jahren, entwickelte sich die Sendung im zu einem Vollprogramm, das von Ostbelgien aus produziert wurde. Dabei stand die eigene Region immer mehr im Fokus der Berichterstattung.

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Die Stimme der ersten Stunde Irene Janetzky inmitten von Prominenten in Brüssel

Bis 1960 aber standen die deutschen Sendungen unter der Aufsicht des Nationalen Rundfunk-Instituts (Institut National de Radiodiffusion INR/Nationaal Instituut voor de Radio-Omroep NIR). Dieses wurde 1960 aufgelöst und machte Platz für zwei öffentlich-rechtliche Sendeanstalten: RTB (Radiodiffusion-Télévision Belge, die heutige RTBF) und BRT (Belgische Radio en Televisie, die heutige VRT), die abwechselnd für die deutschsprachigen Sendungen (ELA) zuständig waren.

Von 1961 an wurde das weiterhin in Brüssel unter der Leitung von Irene Janetzky produzierte deutsche Programm über den UKW-Sender Lüttich verbreitet und 1964 offiziell in Belgischer Hör- und Fernsehfunk (BHF) umbenannt. 1977 erfolgte die Gründung des Belgischen Rundfunk- und Fernsehzentrums der Deutschsprachigen Gemeinschaft (BRF) in Eupen. Am 1. April 1983 wurde ein Ganztagsprogramm eingeführt, das seitdem für ein 24-stündige Versorgung der deutschsprachigen Hörerschaft der belgischen Ostkantone gewährleistet. Die Radioprogramme werden zudem durch ein kurzes (wochen-)tägliches TV-Magazin, dem „Blickpunkt“, ergänzt. Diese Sendungen umfassen einen Inlandsnachrichten-Überblick und (eu-)regionale Themen.  

Wo alles begann: Das NIR-Funkhaus am Flagey-Platz in Brüssel kurz nach dem Zweiten Weltkrieg