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AP2009

Große amerikanische Pickup-Trucks werden in Belgien immer beliebter, aber gehören sie eigentlich hierher?

Immer mehr Menschen in Belgien wollen offenbar mit einem SUV oder einem Pickup fahren. In diesem Moment sind 4 von 10 in Belgien verkauften Autos SUVs. Und für manche darfs noch größer sein. In den letzten 10 Jahren hat sich der Verkauf von Pickups in Belgien gar verdreifacht. Derzeit fahren etwa 55.000 davon auf belgischen Straßen.Selbst die größten unter ihnen, die amerikanischen Pickup-Trucks, sind zunehmend auf den Straßen hierzulande zu sehen.

Auch auf der Automesse in Brüssel ist dieser Trend zu spüren. Hier präsentiert fast jede große Marke ihren eigenen Pickup und es gibt Marken wie Isuzu, die sich sogar als Pickup-Spezialisten aufstellen.

Groß, größer, am größten

Auch die Verkäufe von exzentrischen amerikanischen Pick-ups, wie des Dodge Ram und des Ford F-150, nehmen zu.

Der Dodge Ram ist 6 Meter lang, 2 Meter hoch und nicht weniger als 252 Zentimeter breit. Das ist mehr als einen halben Meter breiter als ein durchschnittlicher Pkw. Jedes Jahr werden in Belgien etwa 1.000 von diesen Autos über unabhängige Händler verkauft, die Marken selbst vertreiben sie noch nicht. Auf dem Automobilsalon sind diese Monster daher vorerst noch nicht zu sehen.

Verkehrssicherheit

"Pickups und andere solcher Verkehrsgefährte sind mit der Verkehrssicherheit absolut unvereinbar", sagt der Professor für Verkehr, Dirk Lauwers von der Universität Antwerpen und der Universität Gent. "Bei einer Kollision mit einem so schweren Pickup sterben die Insassen eines gewöhnlichen PKW doppelt so häufig, für Radfahrer und Fußgänger ist das Todesrisiko mehr als viermal so hoch.“

Fans vergleichen ihr geliebtes amerikanisches Gefährt gerne mit einem Van und dann gibt es nur wenig oder keinen Unterschied in der Größe. Doch in einem solchen Pickup steckt ein sehr starker Motor mit 400 PS, was ihn noch gefährlicher macht.

"Verschiedene Studien haben gezeigt, dass Männer, aber auch Frauen, mit einem solchen Pickup gefährlicher fahren", sagt Lauwers. "Dochdas stört sie nicht, weil sie sich sicher fühlen."

Klima

Neben der Verkehrssicherheit leidet auch das Klima unter den Pickups. Der Dodge Ram wiegt fast 3 Tonnen und verbraucht 15 Liter Benzin auf 100 Kilometer. "Das ist schlecht für die Umwelt", sagt der Mobilitätsexperte Joeri Thijs von Greenpeace. "Wir sehen den weltweiten Verkauf von SUVs und Pickups mit Erschrecken."

Eine Analyse der Internationalen Energieagentur zeigt, dass der steigende Absatz dieser Autos nach dem Energiesektor der Hauptgrund für den Anstieg der weltweiten CO2-Emissionen seit 2010 ist.

"Auf diese Pickups sollte die Automobilbranche in Zukunft am besten verzichten. Es sind schwere, schnelle, umweltbelastende und gefährliche Fahrzeuge", schließt Thijs.

Viele von der VRT befragten Experten in Belgien waren sich einig: Pickups gehörten nicht auf die belgischen Straßen.

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