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Ministerpräsident besucht Auschwitz und erinnert an dunkle Seite Flanderns

Der flämische Ministerpräsident Jan Jambon wird kommenden Dienstag, 21. Januar, Auschwitz besuchen. Der Besuch findet im Rahmen des Gedenkens an den 75. Jahrestag der Befreiung des ehemaligen deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers statt. Am Vorabend des Besuchs in Auschwitz wird Ministerpräsident Jambon auch eine Rede bei einem Abendessen der European Jewish Association (EJA) halten. In dieser Rede wird Jambon nicht nur an den Schrecken von Auschwitz erinnern und den Antisemitismus scharf verurteilen, sondern auch über die dunkle Seite der Kollaboration in Flandern sprechen.

Auschwitz-Birkenau ist als das größte Konzentrations- und Vernichtungslager in Nazi-Deutschland bekannt. Am 27. Januar 1945 wurde das Lager von der Roten Armee befreit. Im Jahr 2005 haben die Vereinten Nationen den 27. Januar zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts erklärt. Anlässlich 75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz finden zahlreiche Besuche und Zeremonien statt. Am Montag, den 27. Januar selbst, richtet Polen eine internationale Gedenkfeier mit Staats- und Regierungschefs aus der ganzen Welt aus. Auch der belgische König Philippe und Königin Mathilde werden an dieser Zeremonie teilnehmen.

Im Vorfeld dieser internationalen Zeremonie wird der flämische Ministerpräsident Jan Jambon am Dienstag, den 21. Januar, das Konzentrationslager besuchen. "Der Ministerpräsident will das Lager in aller Ruhe besuchen. Er findet es sehr wichtig, bei den Gedenkfeiern anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung dabei zu sein und einer der schrecklichsten Abschnitte der Geschichte zu gedenken", heißt es im Kabinett von Jambon. Der flämische Ministerpräsident wird bei seinem Besuch auch einen Kranz niederlegen.

Am Vorabend seines Besuchs in Auschwitz wird Jambon zudem an einem Symposium und Gala-Dinner der European Jewish Association (EJA) teilnehmen. Bei diesem Abendessen will Jambon selbst eine Rede halten. In dieser Rede werde er nicht nur alle Formen des Antisemitismus verurteilen, sondern auch das schwierige Thema der Kollaboration ansprechen, ist zu hören. "Er wird in der Tat auch über diese dunkle Seite sprechen und auf die Mittäterschaft von Menschen und Behörden in Belgien und Flandern hinweisen".

An dem Symposium in Krakau und dem Besuch in Auschwitz nehmen auch mehrere andere belgische Politiker teil. So stehen beispielsweise die Europaapgeordnete Assita Kanko (N-VA) sowie die Kammerabgeordneten Hendrik Bogaert (CD&V) und Michael Freilich (N-VA) auf der Teilnehmerliste.

Freilich, ehemaliger Chefredakteur von „Joods Actueel“, weist auf die große symbolische Bedeutung des Besuchs des flämischen Ministerpräsidenten hin. "Angesichts der Geschichte ist es sehr wichtig, dass ein Ministerpräsident Flanderns nicht nur Auschwitz besucht, der Befreiung gedenkt und den Kampf gegen den Antisemitismus hervorhebt, sondern dass er sich auch zu dieser dunklen Seite in der Geschichte des flämischen Nationalismus äußert", so Freilich.

In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Politiker und Historiker in Europa immer wieder vor einem  Wiedererstarken des Antisemitismus in Deutschland und in Europa gewarnt. Vor diesem Hintergrund sei die Auseinandersetzung mit den bedrückendsten Wahrheiten der Geschichte besonders gefordert, so Politikwissenschaftler und Historiker.