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VRT-Intendant Paul Lembrechts entlassen, vorübergehender Nachfolger ist Leo Hellemans

Paul Lembrechts (Foto oben), der Intendant der VRT, muss gehen. Der Grund hierfür ist ein Konflikt an der Spitze des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Leo Hellemans wird vorübergehend CEO. Das Verfahren für die Ernennung eines neuen Geschäftsführers wird so schnell wie möglich eingeleitet. Ende letzten Jahres hatte Lembrechts zusammen mit der übrigen Direktion zur Entlassung von Peter Claes, dem Direktor für Medien und Produktion, gedrängt. Aber der Verwaltungsrat lehnte diesen Rücktritt ab, und Claes wurde schließlich beurlaubt.

Die Entscheidung folgt auf einen mehrwöchigen Konflikt an der Spitze der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt. Lembrechts hatte die Entlassung seiner Nummer zwei, Peter Claes, beantragt. Auch die übrige Direktion: Lieven Vermaele (Finanzen und Betrieb), Liesbet Vrieleman (Information), Stijn Lehaen (Technik und Information) und Hans Cockx (HR) unterstützten Ende Dezember die Bitte von Lembrechts. Doch der Verwaltungsrat, angeführt von Luc Van den Brande, weigerte sich, Claes zu entlassen. Claes wurde jedoch beurlaubt. Ein Mediator wurde ernannt, der den Konflikt jedoch auch nicht lösen konnte.

Lembrechts war 2016 als Nachfolger des in den Ruhestand getretenen Leo Hellemans zum neuen CEO ernannt worden. Lembrechts, der eine Ausbildung zum Tierarzt hat, hatte Erfahrung im Geschäfts- und Finanzsektor. Bei seiner Ernennung wurde er von der flämischen Regierung wegen seiner Erfahrung als Führungskraft und "seiner Fähigkeit, in einem schwierigen Kontext zu arbeiten", gelobt.

Peter Claes begann seine Karriere bei der VRT als Marketingverantwortlicher und Marketingmanager. Im Jahr 2013 wurde er Mediendirektor und zwei Jahre später als Medien- und Produktionsdirektor die Nummer zwei bei der VRT. Im Jahr 2016 war Claes ein Kandidat für die Nachfolge von Leo Hellemans als CEO. Diese Position war schließlich an Paul Lembrechts gegangen.

Leo Hellemans ist jetzt vorübergehend Intendant der VRT

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Gewerkschaften beunruhigt über Entlassung von Lembrechts

Dass Paul Lembrechts bei der VRT ins Abseits gedrängt wird, ist laut ACV "eine bedauerliche Sache". "Von Anfang an kämpfte er um die richtige Finanzierung", sagt Carlos Van Hoeymissen von der christlichen Gewerkschaft gegenüber der Presseagentur Belga. "Daher hatte er die Sympathie des Personals."  Wo Lembrechts noch die scharfen Kanten eines Sozialplans abfeilen konnte, fürchtet Van Hoeymissen nun um ein stumpfes Beil. "Wenn doch gespart werden muss, wollen wir, dass das so sozial wie möglich erfolgt."

Auch die Personalfront der VRT "Iedereen VRT" lehnt zusammen mit den Gewerkschaften ACOD, ACV und VSOA die Entlassung von Lembrechts "entschieden" ab. "Er hat sich eindeutig dazu verpflichtet, die Zukunft der VRT vor den massiven Einsparungen zu schützen, die uns die flämische Regierung auferlegen will. Die Reaktion der flämischen Regierung ist seine Entlassung. Das ist für uns inakzeptabel", heißt es. Am Donnerstag beginnen nun mit Anhörungen im flämischen Parlament die Verhandlungen für ein neues Verwaltungsabkommen. "Gerade in diesem Moment beschließt die Regierung, die VRT zu köpfen. Das ist für uns inakzeptabel."

"Iedereen VRT" verlangt, dass, wer auch immer der neue CEO der VRT sein wird, "sie oder er sich ebenso eindeutig gegen die vernichtenden Einsparungen einsetzt, die die flämische Regierung weiterhin durchsetzen will."