Führungskrise bei der VRT: Am Montag wird gestreikt

Am Montag, den 27. Januar, streikt das Personal unseres Hauses, der öffentlich-rechtliche Rundfunk des belgischen Bundeslandes Flandern VRT. Dann senden die Radiokanäle nur Musik, die von stündlichen Newsspots unterbrochen werden. Die beiden TV-Sender zeigen Wiederholungen und nur kurze Nachrichtensendungen und das Online-Angebot wird auf ein Minimum beschränkt. Nur der Kinder-TV-Kanal Ketnet sendet sein normales Programm. Grund für diesen Streik ist u.a. die Entlassung von VRT-Direktor Paul Lembrechts.

Das VRT-Funkhaus an der Brüsseler Reyerslaan erlebt turbulente Wochen. Zum einen kündigte die flämische Landesregierung deutliche Einsparungen für den öffentlich-rechtlichen Sender an und zum anderen sorgt ein Konflikt auf Führungsebene für Zündstoff.

Ungelöste Führungskrise an der Spitze unseres Senders

CEO Paul Lembrechts bat beim Verwaltungsrat des Senders um die Entlassung von Peter Claes, faktisch die N°2 an der Spitze der VRT, denn er habe das Vertrauen zu Claes verloren. Dieser genießt zudem auch nicht mehr das Vertrauen des Direktions-Komitees, das aus den Leitern der jeweiligen Sektoren des Hauses zusammengestellt ist.

Doch der Verwaltungsrat der VRT unter der Leitung von Luc Van den Brande lehnte dies ab, stellte Claes lediglich von seinen Aufgaben frei und löste damit eine Krise innerhalb der Führung des Hauses aus. Um den Konflikt zu lösen, setzte der Verwaltungsrat einen Vermittler ein. Dessen Bericht sorgte dafür, dass der Verwaltungsrat dem zuständigen Landesmedienminister Benjamin Dalle (CD&V) die Entlassung von CEO Lembrechts empfahl, was dieser auch durchführte. Claes steht aber weiter auf „non aktiv“.

Die Entlassung von Lembrechts kam beim Personal der VRT und in der Nachrichtenredaktion überhaupt nicht gut an. Sie kommt zudem zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt, denn es stehen die Verhandlungen zum neuen Geschäftsführungsvertrag zwischen der flämischen Landesregierung und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk an und diese stehen wiederum unter dem Druck der Sparauflagen eben dieser Regierung. 

Hitzige Parlamentsdebatte

Am Mittwoch war die Entlassung von Paul Lembrechts als VRT-Direktor auch Thema einer Debatte im flämischen Landesparlament. Dabei kam heraus, dass Medienminister Dalle den Vermittlungsbericht des Mediators nicht gelesen hat, weil Verwaltungsratspräsident Van den Brande diesen nicht veröffentlichen will. Dieser Bericht beinhalte persönliche Angaben zu Lembrechts und zu Claes hieß es dazu.

In der Debatte warfen Abgeordnete der Opposition der Landesregierung vor, die VRT zu einem Staatssender machen zu wollen und Einfluss auf die Geschicke des Senders zu nehmen. In der Kritik stand auch Medienminister Dalle, dem vorgeworfen wurde, den VRT-Rundfunkdirektor lediglich auf mündliche Empfehlung hin entlassen zu haben.

Inzwischen fordern mehrere flämische Landtagsabgeordnete und auch die Gewerkschaften bei der VRT Einsicht in den Bericht des Schlichters. Alles andere sei nicht transparent und der Sache nicht förderlich. Paul Lembrechts Entlassung scheint bestätigt. Ihm winkt eine Entschädigung über sechs Monate Gehalt. Der Konflikt auf der VRT-Führungsebene ist bei weitem nicht gelöst und die Reaktion der Beschäftigten mit ihrem Streik am kommenden Montag unterstreicht dies deutlich.