Macht die globale Erderwärmung Gaskraftwerke in Belgien überflüssig?

Zuschüsse für den Neubau bzw. für die Modernisierung bestehender Gaskraftwerke im Zuge des Atomausstiegs würden in Belgien mit bis zu 13 Mia. € zu Buche schlagen. Doch muss unser Land zur Elektrizitäts- und Energieversorgung überhaupt auf zusätzliche Energie aus Gaskraftwerken setzen? Einem Bericht des belgischen Energieregulators GREC zufolge nicht unbedingt, denn die globale Klimaerwärmung sorge dafür, dass Belgien in Zukunft weniger mit Stromengpässen rechnen müsse.

Gaskraftwerke sind teuer, können offenbar niemals rentabel sein und müssen aus diesem Grunde massiv mit Steuergeldern bezuschusst werden. Nach Ansicht von Belgiens geschäftsführender Energieministerin Marie-Christine Marghem (MR) würde die Aufrüstung bzw. der Neubau von Gaskraftwerken in den kommenden 15 Jahren mit 5 Mia. € zu Buche schlagen, sprich jeden belgischen Haushalt pro Jahr 15 € kosten.

Doch hier gehen die Ansichten weit auseinander oder besser gesagt noch weiter nach oben. Energieregulator CREG rechnet mit 9 Mia. € im genannten Zeitpunkt und Stimmen aus dem Energiesektor sprechen sogar von 13 Mia. €.

Die Politik geht davon aus, dass die Gesellschaft im Zuge des definitiven Atomausstiegs ab 2025 Energie aus Gaskraftwerken braucht, auch wenn dies wesentlich teurer ist, als Wind- und Wasserkraft oder als Solarenergie oder Erdwärme. Kurzfristig müssen demnach ausreichend Gaskraftwerke zur Verfügung stehen, um die Kernkraft zu ersetzen. 

Vergangenheit oder Gegenwart…

Doch Belgiens Energieregulator CREG hat neue Berechnungen angestellt, nach denen mehr Gaskraft nicht unbedingt notwendig sei und dies liegt am Klimawandel, bzw. an der fortschreitenden Erderwärmung. Der CREG hat sich bei seinen Berechnungen Unterstützung des Klimawissenschaftlers Wim Thiery von der Freien Universität Brüssel (VUB) geholt und dieser ist der Ansicht, dass man von aktuellen Messungen ausgehen soll.

Bisher, so Thiery, habe man stets den Energiebedarf und die Wetterlage aus den 1980er Jahren mit einberechnet, doch das sei Unsinn: „Die Erderwärmung ist bei den vergangenen Berechnungen niemals mit einbezogen worden, während der Stromverbrauch eng mit den herrschenden Temperaturen zusammenhängt. Je kälter es wird, desto mehr Energie wird verbraucht. Und in Belgien hat sich das Klima bereits um 2°C erwärmt und in kälteren Perioden sogar durchschnittlich um 3°C.“

Da komme jedes halbe Jahr etwa ein halbes Grad Celsius hinzu, so Thiery: „Das sorgt dafür, dass die Möglichkeit von Kältewellen abnimmt.“ Dieses Phänomen beschränke sich bei weitem nicht nur auf Belgien, sondern sei auch in den Nachbarländern festzustellen, wie z.B. in den Niederlanden, so der Bericht von CREG und VUB.