Größter Kinderpornografie-Prozess aller Zeiten in Belgien

Vor dem Strafgericht in Dendermonde beginnt an diesem Freitag der "größte Kinderpornografieprozess, der jemals in Belgien stattgefunden hat", so das Kinderhilfs- und Suchwerk Child Focus. Fünf Männer müssen sich für die Herstellung und Verbreitung von Bildern von Kindesmissbrauch und für Missbrauchsfälle, die sie selbst begangen haben, verantworten. Fast neun Millionen Bilder wurden auf einem gut abgesicherten Computer entdeckt.

"Es begann mit einem dummen Zufall", sagt Heidi De Pauw von Child Focus. Am Strand von Blankenberge wurde ein Mann gesichtet, der halbnackte Kinder fotografierte. Der Ball wurde von einem scharfsinnigen Polizisten ins Rollen gebracht.

Einige Zeit später durchsuchte die Polizei das Haus eines Computerspezialisten, der mit dem Mann in Kontakt stand. Auf seinem Computer fanden sie insgesamt fast neun Millionen Fotos und Videos von Kindesmissbrauch.

"Sie fanden 664 Files, die noch nie bei den belgischen Dienststellen, aber auch nicht bei Europol oder Interpol aufgetaucht waren", sagt De Pauw. Dies ist auffällig, da den Ermittlern normalerweise viele der gleichen Bilder öfter unterkommen. Diesmal war das nicht so. "Diese Männer waren im Kreis der Pädophilen sehr weit oben."

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5 "gewöhnliche" Männer

Schließlich konnten fünf Männer im "Kern" des Netzwerks identifiziert werden: der Mann, der in Blankenberge fotografiert hat, der Computerspezialist, ein dritter Belgier, ein Niederländer und ein Brite. Sie sind alle zwischen 28 und 40 Jahre alt. Sie wurden in Erwartung dieses Prozesses verhaftet.

Die Bandbreite ihrer Aktivitäten ist riesig. Einige Bilder gehen auch sehr weit: Kinder, die nackt gefesselt sind oder sich gegenseitig berühren. "Sobald die Jungen 6 oder 8 Jahre alt wurden und Schamhaare bekamen, waren sie nicht mehr interessiert für die Täter. Es wurden auch Bilder von schrecklichen Taten mit Babys gefunden". Einerseits verbreiteten sie diese anonym über das Dark Web, "aber sie benutzten auch WhatsApp, Skype, das jeder benutzt", sagt De Pauw.

Der Brite, der als Au-pair arbeitete, machte heimlich Nacktfotos von den Kindern, die er betreuen sollte. Andere Angeklagte sollen Bilder von Misshandlungen durch andere Männer gefilmt haben.

Doch die Männer müssen sich zudem für Taten des Kindesmissbrauchs, die sie selbst begangen haben, verantworten. "Sie trafen sich auch offline", so De Pauw, und missbrauchten ihre eigenen Kinder, Stiefkinder und Kinder von Bekannten.

Es fällt auf, wie "gewöhnlich" die Männer sind. "Dieses Mal sind es keine an den Rand der Gesellschaft gedrängten, anonymen Alten. Es könnte Ihr Nachbar sein", sagt De Pauw. Sie schlugen auch an ganz gewöhnlichen Orten zu, am Strand oder auf einem Weihnachtsmarkt. Einige von ihnen reisten zusammen.

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Bislang konnten 38 Opfer identifiziert werden

Die Ermittler haben zusammen mit dem Europäischen Polizeiamt Europol die Millionen von Bildern analysiert. Bislang konnten sie 38 Opfer identifizieren, allesamt Jungen.

Das sind Kinder aus Belgien, aber auch aus Deutschland, den Niederlanden, Portugal und den Vereinigten Staaten. Es gibt Tausende weitere Opfer, die noch nicht identifiziert wurden. Child Focus tritt als Zivilpartei für diese Opfer auf. "Wir fordern mehr Ressourcen, damit Polizei und Justiz diese Angelegenheit vorrangig behandeln können.“

Die Angeklagten erhalten das Wort

Bei der heutigen Verhandlung wird die Staatsanwaltschaft deutlich machen, welche Strafe sie für die fünf Angeklagten fordert. Darüber hinaus erhalten die Angeklagten in der Regel auch selbst das Wort. Die meisten von ihnen gestehen die Tatsachen, zumindest teilweise.

"Er weiß, dass er schwer krank ist und dass das, was er getan hat, andere Menschen verletzt hat. Er akzeptiert auch, dass er nie wieder Sexualität erleben wird", sagt einer der Anwälte der Angeklagten. In der Zwischenzeit werden die Ermittlungen fortgesetzt, um den Rest des internationalen Netzwerks von Pädophilen zu zerschlagen.