Die Anerkennung durch Albert II. komme zu spät, sagt die belgische Presse

Ein Teil der belgischen Zeitungen hat ihre Leitartikel an diesem Dienstag der Anerkennung der Vaterschaft von Delphine Boël durch König Albert II. gewidmet. Eine lobenswerte Geste, aber eine, die nach Ansicht der meisten Leitartikler zu spät komme.

In Flandern fallen die Reaktionen eher bitter aus. Gazet van Antwerpen bedauert den "erzwungenen" Charakter der Anerkennung. "Die Tochter hat einen Vater nur auf dem Papier, ihre Kinder haben einen Großvater nur in rechtlicher Hinsicht". Als „eiskalt, sachlich und ohne jegliche Empathie“ bezeichnet Gazet van Antwerpen Alberts Pressemitteilung von der Kenntnisnahme der Ergebnisse seines DNA-Tests, den er auf Antrag des Berufungsgerichts in Brüssel hatte machen müssen. "Die wissenschaftlichen Schlussfolgerungen deuten darauf hin, dass er der biologische Vater von Frau Delphine Boël ist". In der Mitteilung weist König Albert darauf hin, dass er sich seit der Geburt von Delphine Boël nie in "familiäre, soziale oder erzieherische Entscheidungen" über sie eingemischt hat und dass er "stets die Verbindung zwischen Frau Delphine Boël und ihrem rechtlichen Vater respektiert hat".

Het Laatste Nieuws weist darauf hin, dass Albert II. während seines gesamten Erwachsenenlebens, darunter auch der sechs Jahre vor Gericht, vor seiner Vaterschaft geflohen ist, zum Teil wegen "schlechter Beratung innerhalb und außerhalb seiner Familie". "Er sagt, das Verfahren sei schmerzhaft gewesen, aber vor allem für Delphine und ihre Mutter, seine Geliebte, war dies der Fall. Der König hätte ihnen und sich selbst dieses Leiden ersparen können", so die Zeitung.

Het Nieuwsblad ist auch nicht nachsichtiger mit dem König: "Der König gesteht und beendet das Verfahren. Die Art und Weise, wie er vorgeht, ist genauso hartherzig wie die Art und Weise, wie er es verleugnet hat."

Für die Zeitung Belang van Limburg ist dies ein Meilenstein für Belgien. "Abgesehen von der Frage, ob das Königtum noch aus unserer Zeit stammt, beweist es, dass die belgische Monarchie im Übergang ist.“ Ein weiteres Beispiel für diese Entwicklung sei, dass "König Philippe und Königin Mathilde (zum Glück) nicht mehr ausschließlich mit dem Erbtitel leben wollten, sondern sie wollten Teil der Gesellschaft sein, am liebsten auf ihre eigene Art und Weise.

Kritik auch aus dem Süden des Landes

"Es blieb nur noch der König übrig, der es leugnete", betont Le Soir. "Entgegen der Offensichtlichkeit - sein früheres Verhalten gegenüber diesem kleinen Mädchen, sein eigenes Wissen über die Bindungen, die ihn mit ihr vereinen - und entgegen besseren Wissens. Doch vor allem ohne jeglichen Respekt für sein Kind. Und das ist die Schande dieser Geschichte".

"Albert II. gibt nichts zu. Er ist nur gezwungen, sich auf die von der Wissenschaft und dem Gesetz festgestellten Beweise zu unterwerfen, denen er versucht hat, auszuweichen", fährt die Tageszeitung fort. Albert II. habe sicherlich persönliche Gründe für die Weigerung, Delphine als seine Tochter anzuerkennen. „Doch er ist hier ein König, das Herz einer Institution, die durch die Verleugnung der Tochter kein gutes Beispiel abgegeben hat.“

Die Sudpresse-Gruppe weist auf ein "langes und demütigendes Gerichtsverfahren" hin. "Mit einem roten Faden: Alberts hartnäckige Weigerung, gegen besseren Wissens und gegen jegliche Fakten, sich seiner unehelichen Tochter zu beugen. Alles verpasste Gelegenheiten des Königs, eine Tochter anzuerkennen, die nur auf eine Geste von ihm gewartet hat.“

"Delphine Boël: das Ende eines zu langen Kampfes", titelt La Dernière Heure. Für die Tochter des Königs "ist dies kurz vor ihrem 52. Geburtstag (sie hat am 22. Februar Geburtstag) kein Geburtstagsgeschenk, sondern eine einfache Rückkehr zur Realität.“

Für La Libre Belgique hingegen ist das Geständnis Alberts II. eine "Beschwichtigungsgeste", die "den betroffenen Familien die Gelassenheit zurückbringen soll.“

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