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Pflegenotstand in Belgien: In den kommenden fünf Jahren sind 5.500 zusätzliche Mitarbeiter notwendig

Der Pflege- und Gesundheitssektor in Belgien ist an der Grenze seiner Belastbarkeit angekommen. Derzeit kümmert sich in unserem Land ein Pflegemitarbeiter um 10 Patienten, wobei die EU-Norm bei 8 Patienten pro Pfleger oder Pflegerin liegt, wie der aktuelle Bericht des Fachzentrums des Bundesgesundheitsministeriums (KCE) belegt. Das bedeutet schlicht und einfach, dass dieser Sektor mehr Geld braucht.

Für den aktuellen Bericht des KCE wurden insgesamt 5.000 Mitarbeiter in 84 belgischen Krankenhäusern zu ihren Befindlichkeiten und Erfahrungen befragt. Die gute Nachricht dieses Berichts? Die Zahl der Pflegemitarbeitern in Belgien ist landesweit auf 10 Pfleger oder Pflegerinnen pro Patient angestiegen und die betroffenen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind auch immer besser ausgebildet!

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© Syda Productions - creative.belgaimage.be

Die schlechten Nachrichten? Laut EU-Norm müsste dieser Wert bei 8 Patienten pro Mitarbeiter liegen und in den kommenden 5 Jahren muss der betroffene Sektor bis zu 5.500 zusätzliche Mitarbeiter anwerben bzw. ausbilden, denn der Bedarf steigt. Schaut man sich die Lage genauer an, so reicht der Personalbestand schon jetzt nicht wirklich, denn die verschiedenen Schichten zeigen ein ganz anderes Bild: Morgens kommen auf einen Pfleger 7 Patienten, tagsüber 9 Patienten und in der Nacht 18 Patienten!

Morgens kommen auf einen Pfleger 7 Patienten, tagsüber 9 Patienten und in der Nacht 18 Patienten!

Vorzeitige Sterbefälle durch Zeitmangel?

Laut KCE-Bericht führt z.B. Zeitmangel bei der Pflege von schwerkranken oder alten Menschen in Krankenhäusern oder Seniorenheimen auch zu Sterbefällen, die vielleicht vermeidbar wären, würde mehr Personal zur Verfügung stehen. In der Umfrage des Gesundheits-Fachzentrums gab etwa jeder dritte Befragte an, spät am Abend oder in der Nacht kaum Zeit zu haben, Patienten adäquat zu beobachten. Zeit, um mit den Patienten zu reden oder sie einmal zu trösten ist in rund 70 % der Fälle quasi unmöglich.

Aus diesem Bericht ergeben sich Forderungen an die Politik

So fordert das Fachzentrum des Bundesgesundheitsministeriums ein Gesetz, das bestimmt, wie viele Patienten auf ein Mitglied des Pflegepersonal gleich welchen Krankenhauses kommen dürfen. Und nicht zuletzt werden natürlich deutlich mehr Finanzmittel für das Gesundheitswesen in Belgien gefordert. Damit einher geht auch die Feststellung, dass der Pflegeberuf in unserem Land attraktiver werden muss, nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass in den kommenden fünf Jahren durch den erwarteten gesteigerten Bedarf (auch die belgische Gesellschaft wird durchschnittlich immer älter), bis zu 5.500 zusätzliche Mitarbeiter gebraucht werden.

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Maggie De Block (Open VLD - Foto oben), die Gesundheitsministerin der geschäftsführenden belgischen Bundesregierung, gab zu verstehen, dass sie den Forderungen des KCE offen gegenüberstehe und sie sehe ein, dass es im Pflegebereich zu Reformen kommen müsse: „Diese neue Studie ist ein hilfreiches Mittel für die Politik in den kommenden Jahren.“ Doch kurzfristig mehr Mittel wird es wohl vorerst nicht geben.