Nicolas Maeterlinck

Sterbehilfe-Prozess in Gent: Die drei Angeklagten sind nicht schuldig

Im aufsehenerregenden Prozess gegen zwei Mediziner und eine Psychologin, die vor 10 Jahren einer damals 38 Jahre alten Frau Sterbehilfe gewährten, haben Geschworenen die Angeklagten in der Nacht zum Freitag freigesprochen. Die Frau litt unter schweren psychischen Problemen und wollte, dass ihrem Leiden ein Ende gesetzt wird. Die Angehörigen der Frau aber zeigten die beteiligten Mediziner wegen Giftmord an und der Fall kam Mitte Januar vor ein Schwurgericht.

Vor dem Schwurgericht von Gent waren zwei Mediziner und eine Psychologin des Giftmordes angeklagt. Sie hatten der zum Zeitpunkt der Fakten 38 Jahre alten Tine Nys auf deren Bitten hin Sterbehilfe gewährt. Nach rund zwei Wochen Verhandlungen und den Plädoyers der vergangenen Tage zogen sich die Geschworenen am Donnerstagabend zur Beratung zurück. Nach rund acht Stunden verkündeten sie vor dem prall gefüllten Gerichtssaal in Gent ihre Entscheidung: Die drei Angeklagten sind des Giftmordes an Tine Nys nicht schuldig.

Zuvor mussten sie nach zwei recht emotionalen Verhandlungswochen, während denen Zeugen, Angehörige, Freunde und Bekannte von Nys, Mediziner und andere Fachleute, sowie die Anwälte aller Beteiligten aufgetreten waren, pro Angeklagtem über zwei Fragen urteilen: 1. Ist der Arzt des Totschlags schuldig? 2. Wenn ja, ist die Rede von Vergiftung (eine schwere Straftat)?

Doch die Geschworenen waren der Ansicht, dass den drei Angeklagten ein Giftmord nach der Gewährung von Sterbehilfe an Tine Nys wegen unerträglichem psychischen Leiden nicht vorgeworfen werden könne. Die Verteidiger der Angeklagten reagierten erleichtert, denn im Laufe des Verfahrens wurde deutlich, dass die Gesetzgebung rund um die Sterbehilfe in Belgien Lücken aufweist. Nicht zuletzt ging es nach Ansicht einiger der Beteiligten schlicht und einfach um die Sterbehilfe selbst.

Dazu sagte der Mediziner Wim Distelmans, einer der Initiatoren des Sterbehilfegesetzes: „Das ist eine gute Nachricht. Das beweist, dass dieses Gesetz zwar nicht perfekt, wohl aber solide ist.“ Auch Distelmans hatte als Experte bei diesem Schwurgericht ausgesagt.

Er hatte unbewusst sogar eine einflussreiche Aussage gemacht. Als das Gericht ihn fragte, wer bei dem juristischen und medizinischen Ausschuss zugegen war, der für die Sterbehilfe an Tine Nys seinerzeit grünes Licht gegeben hatte, nannte er auch den Namen eines der Anwälte der Kläger, der daraufhin sein Mandat niederlegen musste. 

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