Terror-Prozess in Belgien wird Prozess, den Belgien so noch nie gesehen hat

An diesem Montagmorgen fand eine erste Anhörung in der Anklagekammer in Brüssel im Vorfeld des Prozesses über die Terroranschläge vom 22. März vor vier Jahren statt. Es wurde überprüft, ob die Beobachtungen bestimmter Verdächtiger korrekt waren. Eine Reihe von Opfern war ebenfalls anwesend. Viele von ihnen machen sich Sorgen hinsichtlich des Prozesses, der im nächsten Jahr stattfinden wird.

Zu den Anschlägen selbst wurde an diesem Montag noch nicht plädiert. „Es war eine technische Sitzung. Sie ging über spezielle Nachweisverfahren. Das war eher im Interesse der Verdächtigen und Anwälte und weniger der Nebenkläger“, so Philippe Vansteenkiste, der Vorsitzende der Opfervereinigung V-Europe.

Bei der Sitzung hinter verschlossenen Türen wurde geprüft, ob die Beobachtungen, die gemacht wurden, um Verdächtige ausfindig zu machen, rechtmäßig waren. Das Urteil wird am 10. Februar folgen.

Der Prozess selbst wird erst im September nächsten Jahres beginnen, fünf Jahre nach den Anschlägen, und es wird einer der größten Fälle vor dem Schwurgericht in Belgien. Das beunruhigt viele Opfer. Die Anwältin der Opfer, Sanne De Clerck, weist darauf hin, dass das Gericht komplett auf Französisch tage. Man habe direkt nach den Anschlägen davor gewarnt. Man wolle ein zweisprachiges Verfahren.

„Wir sollten mit unserer Zeit gehen. Ein Schwurgericht ist ein altes System. Der Prozess zum 22. März wird technisch ziemlich schwierig werden. Wir fragen uns, ob es noch eine Möglichkeit für eine Änderung gibt“, so Philippe Vansteenkiste. In der Tat können normale Schwurgerichts-Prozesse sehr lange und schleppend für die Angehörigen sein. Doch dieser Prozess ist alles andere als normal. Es wird der erste Prozess von solch großem Ausmaß in Belgien sein. Der Prozess soll 9 Monate dauern. Auf Seiten der Opfer und Nebenkläger werden 900 Menschen erwartet. Hinzu kommen noch die Anwälte der Zivilkläger und die der Verdächtigen, die sich vor Gericht verantworten müssen. Außerdem geht es um sehr schwere Taten – Mord mit terroristischem Hintergrund.

Stellt sich die Frage, wer in dieser Jury sitzen will – neun Monate lang. Die Jury-Mitglieder müssen über Tausende von Schuldfragen urteilen. Das wird sehr schwierig. Ferner kommt noch der ganze internationale Medienrummel hinzu, der diesen Prozess begleiten wird. Viele stellen sich auch die Frage, ob die belgische Justiz das schaffen wird.

Das Gerichtsgebäude in Brüssel ist hierfür übrigens nicht geeignet. Vor einiger Zeit wurde ein anderer Ort für diesen Prozess auserkoren. Der Prozess soll im ehemaligen Nato-Gebäude in Evere stattfinden. Doch dort müssen erst noch entsprechende Arbeiten erfolgen. Noch gibt es dort nicht einen einzigen Saal, der groß genug ist, damit alle Betroffenen Platz haben. Mit den Arbeiten soll im Mai begonnen werden.

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