Wie gut ist die Luft in Brüsseler Schulen?

"Was atmen die Schulkinder in der Hauptstadt eigentlich alles ein? Das ist die scheinbar ganz einfache Frage, die das Bürgerkollektiv "Les chercheurs d'air" mit seiner neuen Kampagne "Petits Poumons" zu beantworten versucht. Die Kampagne wurde an diesem Montag in einem Dutzend Brüsseler Schulen gestartet. Die Initiative verfolgt ein zweifaches Ziel: die Qualität der Luft in und in der Umgebung der teilnehmenden Schulen zu messen und die von den Schülern gesammelten Daten bekannt zu machen.

In den teilnehmenden Schulen werden die Schülerinnen und Schüler mehrere Monate lang die Konzentration von Feinstaub (PM2,5) messen. Einige Schulen werden auch die Stickstoffdioxid (NO2)-Konzentrationen überwachen.

Parallel zu diesen Messungen werden von der Abteilung für Inforsciences der Freien Universität Brüssel (ULB) Workshops organisiert, damit die Schülerinnen und Schüler die Quellen der Luftverschmutzung kennen lernen, ihre Auswirkungen auf die Gesundheit verstehen und lernen, die gesammelten Daten zu analysieren sowie Lösungen zu entdecken, die es zur Bekämpfung der Luftverschmutzung gibt.

Die ASBL Les chercheurs d'air will uns daran erinnern, dass Kinder die ersten Opfer der Luftverschmutzung sind. Sie seien noch Mitten im Wachstum und atmeten mehr Schadstoffe ein als Erwachsene, „weil sie eine höhere Atemfrequenz haben. Außerdem atmen sie die Luft aufgrund ihrer geringen Größe näher an bestimmten Verschmutzungsquellen wie Auspuffrohren ein und sind somit höheren Schadstoffkonzentrationen ausgesetzt", erklärt das Kollektiv in einer an diesem Montag veröffentlichten Pressemitteilung.

"Mit den gesammelten Daten werden wir die Schulen ermitteln, die der Luftverschmutzung am stärksten ausgesetzt sind, und konkrete Maßnahmen wie z.B. Schulstraßen fordern, die dort eingerichtet werden sollen. Elsene, Brüssel und Anderlecht unterstützen diese Kampagne", sagt Pierre Dornier, Mitglied der Bewegung "Les chercheurs d'air", der hofft, dass andere Gemeinden dem Beispiel folgen werden.

Mit dem breit gefächerten Programm ist zu einem Zeitpunkt gestartet worden, in dem die Konzentrationen von Feinstaubpartikeln PM2,5 und Stickstoffdioxid in der Region Brüssel-Hauptstadt weiterhin die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) überschreiten. "Im Jahr 2016 verursachte Feinstaub in Belgien den Tod von 7.600 Menschen, Stickstoffdioxid ist schätzungsweise für 1.600 vorzeitige Todesfälle und Ozon für 180 verantwortlich. Jeder vierte Fall von Asthma bei Jugendlichen unter 18 Jahren kann auf den Straßenverkehr in diesem Land zurückgeführt werden", warnt das Kollektiv.

Mehrere Studien haben überdies gezeigt, dass die Umweltverschmutzung viele schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit der Kinder hat: eine verringerte Lungenfunktion, eine Zunahme der Fälle von Asthma und chronischer Bronchitis, ein erhöhtes Risiko für Fettleibigkeit, Diabetes, neurologische Störungen und Depressionen....