Bei Herresbach in Ostbelgien

Anfang Februar 1945: Belgien ist ganz befreit, doch auch hier ist der Krieg noch nicht vorbei

Am 2. Februar 1945 rückten amerikanische Panzer in das kleine Dorf Krewinkel vor, ein Dorf im äußersten Osten Belgiens. Dies war das allerletzte Stückchen Belgien, das nach der Ardennenoffensive noch in deutscher Hand war. Damit war Belgien zum zweiten Mal in nur drei Monaten vollständig befreit. Die Ardennenoffensive hatte in der belgischen Eifel und in den Ardennen schwere Wunden hinterlassen, die bis heute unvergessen sind. Doch damit war der Krieg für Belgien noch nicht vorbei und auch im Grenzgebiet zu Deutschland war die Gefahr noch nicht gewichen.

Die deutschen Truppen beschießen die ganze Gegend vom Westwall aus mit ihrer Artillerie und die Granaten reichen bis weit in die Ostkantone hinein, z.B. bis ins ohnehin durch Bomen völlig zerstörte Sankt-Vith. An diesem 2. Februar 1945 stehen die Deutschen wieder da, wo sie vor der Ardennenoffensive gestanden hatten. Nur im luxemburgischen Vianden sind noch Wehrmachtseinheiten, die noch nicht in ihr Heimatland zurückgedrängt worden sind.

Aber, in den vergangenen drei Monaten verloren im Osten Belgiens rund 80.000 Menschen - alliierte oder deutsche Soldaten und viele Zivilisten - ihr Leben verloren oder wurden zum Teil schwer verletzt. Und auf beiden Seiten sorgten schwere Kriegsverbrechen in dieser Gegend für Entsetzen.

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Shermanpanzer in der Nähe von Vianden in Luxemburg

Am Tag davor, am 1. Februar, hatten die Amerikaner in der Nähe von Rocherath unweit der deutschen Grenze die Bunker der Westwall-Anlagen von Wahlerscheid erobert. Hier lag eine wichtige Straßenkreuzung, die schon im Dezember heftig umkämpft war. Die US-Soldaten nannten die Kreuzung von Wahlerscheid „Heartbreak Crossroads“ (Foto unten) und hier fanden am Beginn der Ardennenoffensive schwere Kämpfe statt.

Damals mussten die Amerikaner diesen Ort aufgeben und zogen sich in Richtung Elsenborn zurück. Dort aber konnten sie verhindern, dass die Deutschen in den nördlichen Teil des Hohen Venns vorrücken konnten.

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Die Kreuzung von Wahlerscheid

Inzwischen rückten die US-Truppen über die Grenze bei Monschau vor und richteten ihre Aufmerksamkeit auf die Staudämme der Rur. Mit den dortigen Staudämmen, die zusammen über 100 Millionen Kubikmeter Wasser gestaut hatten, hätten die deutschen Truppen die Pegel der Maas in den Niederlanden beeinflussen können, den die Ruf fließt in Niederländisch-Limburg in die Maas. Diese Staudämme waren schon in der Vergangenheit das Ziel von Bombenwerfern gewesen.

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US-Soldaten und Panzer auf dem Vormarsch durch den Schnee zwischen Krewinkel und Herresbach

Doch mit dem Zurückdrängen der Deutschen durch die US-Truppen ist der Krieg für die Belgier noch nicht zu Ende. Zwischen Herbst 1944 und dem eigentlichen Kriegsende fielen rund 9.000 deutsche Raketenbomben der Typen V1 und V2 auf Belgien. Alleine 2.500 solcher Bomben sorgten in Antwerpen im Hafengebiet, das für die Alliierten als strategische und logistische Nachschubstellung von äußerster Wichtigkeit war, und im Lütticher Raum mit seinem großen Rangierbahnhof Kinkempois für Tod und Zerstörung. Davon war nicht nur die Zivilbevölkerung betroffen, sondern auch die alliierten Truppen.

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Zunächst waren die Hafenanlagen in Antwerpen weitgehend unzerstört. Doch das sollte nicht so bleiben

„Antwerp and Liège, cities of sudden death“, hieß es damals bei den GI’s… Verletzte alliierte Soldaten, die in Lütticher Militärspitälern untergebracht waren, baten eindringlich darum, verlegt zu werden, so groß war die Angst vor den Bomben. Sie nahmen lieber mit Feldhospitälern irgendwo in ländlicher Umgebung vorlieb. In Antwerpen wurden rund 10.000 Wohnhäuser von V1 oder V2-Bomben zerstört, wobei tausende Menschen ihr Leben verloren. Fast alle Kinder der Hafenmetropole und auch zahlreiche Bewohner der Innenstadt wurden evakuiert und im Küstenbadeort Blankenberge untergebracht.

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Viele Dockarbeiter in Antwerpen arbeiteten in ständiger Angst vor deutschen Bomben

Der Hafen aber funktionierte trotz deutschem Bombenhagel weiter und die Behörden versuchten, dass die Zerstörungen und die Probleme, die die Soldaten und die Hafenarbeiter erfuhren, nicht an die Öffentlichkeit kamen. Antwerpener Hafenarbeitern, die zum Laden und Löschen der Versorgungsgüter eingesetzt wurden, wurde ein sogenanntes „Bibbergeld“ gezahlt, eine Art Gefahrenzulage.

175 Tage dauerte der Bombenhagel und nach dem Krieg überreichte die Antwerpener Stadtverwaltung bzw. der Stadtrat vielen Hafenarbeitern und auch Mitgliedern der amerikanischen Versorgungs- und Logistikeinheiten Medaillen und Urkunden für ihren unermüdlichen, Leben rettenden und teilweise auch heldenhaften und lebensgefährlichen Dauereinsatz in diesem V-Bombenhagel. 

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