BELGA

Ein Kunstwerk im Besitz der Königlichen Bibliothek ist augenscheinlich Nazi-Raubkunst

Die Königliche Bibliothek von Belgien (KBR - Foto) in Brüssel besitzt ein Aquarell des belgischen Künstlers Félicien Rops, das die Nazis im Zweiten Weltkrieg einer jüdischen Familie in Paris gestohlen haben. Die Bibliothek bestätigte einen Beitrag dazu der flämischen Tageszeitung De Standaard gegenüber VRT NWS. Man habe dieses Aquarell in den 1960er Jahren „guten Glaubens“ erworben, so die Erklärung. Jetzt will das Haus den Fall und alle damit zusammenhängenden Optionen prüfen.  

Bei dem Werk handelt es sich um ein Aquarell, das der belgische Künstler Félicien Rops (1833-1898) im Jahr 1876 anfertigte. Das Werk trägt den Titel „La buveuse d’absinthe“ (etwa „Die Absinth-Trinkerin“). 

Die Königliche Bibliothek von Belgien erwarb dieses Aquarell (Illustration unten am Ende dieses Beitrags) 1968 von einem französischen Kunsthändler, der es während des Zweiten Weltkriegs in Nizza ersteigert hatte.

Diese Versteigerung wurde seinerzeit als „Verkauf eines Kunstliebhabers aus Paris“ bezeichnet. Dieser Kunstsammler war der Jude Armand Dorville, der 1941 verstarb. Danach wurde dessen Sammlung von rund 450 Einzelstücken in Nizza versteigert. Dessen Erben jedoch erhielten damals nichts aus dem Erlöse des Verkaufs. 

Bekanntes Werk

Das Werk, „La buveuse d’absinthe“, ist ein bekanntes Aquarell von Félicien Rops und im damaligen Verkaufskatalog steht es als Losnummer 370 vermerkt und diese Nummer ist handschriftlich auf der Rückseite des Aquarells auch angegeben. Und im Katalog der Bibliothek ist auch folgendes vermerkt, wie De Standaard schreibt: „Sammlung Dorville, versteigert 1942 in Nizza“… Das Werk war 1985 in der großen Félicien Rops-Ausstellung im Kulturzentrum Botanique in Brüssel zu sehen und diese Ausstellung reiste danach weiter nach Paris und nach Nizza, wo sie ebenfalls zu sehen war.

Die Königliche Bibliothek von Belgien wusste nach eigenen Angaben nicht, dass es sich hierbei um Nazi-Raubkunst handelte, die die Direktorin ad Interim Sara Lammens dazu sagt: „Wir haben das Aquarell guten Glaubens 1968 erworben.“ Jetzt will die Bibliothek den Fall genauestens untersuchen. Falls sich dabei erweist, dass noch lebende Erben von Armand Dorville nicht entschädigt wurden, muss gehandelt werden. 

Was jetzt?

Das „Washingtoner Abkommen“ zum Umgang mit Raubkunst schreibt vor, dass das Werk dann zurückgegeben werden soll. Die Königliche Bibliothek wird dann alle Optionen prüfen, auch die einer Rückgabe an die Erben.

Sara Lammens deutet in De Standaard an, dass ihre Einrichtung nach dem Zweiten Weltkrieg tausende Werke erwarb: „Dabei ist nicht immer unbedingt genau nach der Herkunft gesucht worden. Manchmal ging das nicht, weil am Markt Stücke angeboten wurden, bei denen ein Teil der Geschichte Lücken aufwies.“ 

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