Jelle Jansegers

Grey Day in Belgien - Unser Land schafft nur 35 Tage mit selbst produzierter erneuerbarer Energie

Dieser Mittwoch, der 5. Februar 2020, ist der belgische Grey Day des Jahres. Das bedeutet, dass unser Land es faktisch gesehen nur 35 Tage lang geschafft hat, sich mit selbst produzierter nachhaltiger Energie zu versorgen. Damit hat sich Belgien in dieser Hinsicht nur um einen Tag gegenüber 2018 verbessern können.

Innerhalb der Europäischen Union gibt es nur drei Länder, die in dieser Frage noch schlechter dran sind, als Belgien. Das sind Luxemburg, Malta und die Niederlande. Doch diese Länder rücken schnell zu Belgien auf.

Nach Berechnungen des Sozio-Ökonomischen Rates von Flandern (SERV) schneidet Belgien vor allem so schlecht ab, weil das Bundesland Flandern in dieser Hinsicht hinterherhinkt. Hier heißt es, dass der flämische Anteil an der erneuerbar produzierten Elektrizität zu klein ist und dass hier auch alle Ziele in Sachen Energiesparen verfehlt werden.

Nur ein leichtes Plus

Das belgische Planbüro, dass sich mit den finanziellen und wirtschaftlichen Voraussichten unseres Landes auseinandersetzt, muss dem beipflichten. Hier führt man allerdings an, dass Belgien im Bereich der Energieproduktion keine so schlechten Werte erzielt. Das große Problem liegt in der Energieverschwendung durch das Heizen bzw. das Klimatisieren von Wohnungen und Gebäuden.

In Belgien beträgt der Anteil erneuerbarer Energie damit gerade einmal 9,4 % des Gesamtverbrauchs. Dieser Wert stieg auf Jahresbasis lediglich um 0,3 %. Berechnet wird dieser Wert nicht nur auf Basis von z.B. Wind- oder Solarenergie, sondern auch auf Basis von Energie-Effizienz, von der Beheizung respektive der Isolierung von Gebäuden und auf der Umweltfreundlichkeit von Industrie und Verkehr.

Ziele verfehlt, warten auf eine Regierung

Die Ziele, die sich Belgien in dieser Frage gesetzt hat - national und international - können mit der derzeitigen Geschwindigkeit nicht erreicht werden. Bis zum Jahresende soll unser Land 13 % des Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen beziehen… Aber, die Windparks in Belgien haben letztes Jahr 37 % mehr nachhaltige Energie produziert, als 2018.

Doch muss Belgien nachsitzen. Hier liegt aber ein weiteres Problem vor: Durch die Tatsache, dass es nicht absehbar ist, wann es in Belgien zu einer konkreten Regierungsbildung kommt, werden bestimmte diesbezügliche Entscheidung auf belgischer Bundesebene auf die lange Bank geschoben.

Die hiesigen Stromproduzenten warten darauf, dass hier positive Entscheidungen zum Bau von weiteren Windparks auf hoher See und im Inland. Die Investoren erwarten eine Regierung, die auch in dieser Hinsicht langfristige Visionen entwickelt und diese auch mit Tatkraft und Mut durchsetzt.