Irmel Kamp, Bruxelles (Basserie Wielemans-Ceuppens), 1997, Sibergelatinprint, Barythpapier, 60 x 50 cm, © Irmel Kamp, Courtesy Galerie Thomas Fischer

Irmel Kamp mit "Brüssel und Tel Aviv" im ostbelgischen Kunstzentrum IKOB

Das Internationale Museum für Zeitgenössische Kunst in Ostbelgien, IKOB, in Eupen zeigt mit „Brüssel und Tel Aviv“ die erste museale Retrospektive der Aachener Fotografin Irmel Kamp. Kamp legt den Schwerpunkt ihrer Schwarz-Weiß-Aufnahmen auf Architektur, genauer auf moderne Architektur im Laufe der Zeit. Dass im IKOB in der Auswahl der gezeigten Fotos ein besonderer Block auf die Hauptstadt Brüssel gelegt wird, sorgt im Vergleich zu Tel Aviv für eine besondere Spannung.

Für eine Fotografin aus Aachen, die sich mit Architektur befasst, ist Belgien natürlich ein spannendes Land. Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre fotografierte sich zahlreiche für die Region damals typische Häuser, die mit Zinkblech verkleidet oder verschalt waren, in Ostbelgien, genauer im belgischen Teil des Dreiländerecks in der Provinz Lüttich (gerade zu sehen im Rahmen der Ausstellung „Leben in Industrielandschaften im Leopold Hoesch-Museum in Düren/NRW).

Diese rund 600 Fotos umfassende Fotoserie war der Anfang einer bis heute nicht endenden dokumentarischen Beobachtung des Themas Architektur. Immer wieder zog es die Aachener Fotografin nach Belgien, wo sie sich u.a. der Bergbau- und der Industriearchitektur widmete.

Im Rahmen einer Reise nach Israel entdeckte sie auch die dortige moderne Architektur und gerade in Tel Aviv fand sie eine reichhaltige Ausbeute, denn diese Stadt gilt als ein wahres Paradies in Sachen Bauhaus, Art deco und ähnlichem. Kamp wurde mit der Reihe „Neues Bauen in Tel Aviv“ bekannt und konnte damit ihren Geheimtipp-Status im Schatten von Bernd und Hilla Becher verlassen.

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Irmel Kamp, Bruxelles, 1997, Silbergelatine-Print, Barytpapier, 60 x 50 cm, © Irmel Kamp, Courtesy Galerie Thomas Fischer

Moderne Architektur in Brüssel

Doch irgendwann führte im Sinne der Architekturfotografie auch für Irmel Kamp kein Weg mehr an Brüssel vorbei. 1997 zog sie quer durch die flämische, belgische und europäische Hauptstadt auf der Suche nach modernen Gebäuden, die zwischen Ende der 1920er und Mitte der 1930er Jahre entstanden, ähnlich wie bei ihrer Tel Aviv-Reihe. Hier wurde sie in erster Linie in den Außenbezirken der Stadt fündig, wie z.B. in Ukkel/Uccle.

Neben Industrie- und Nutzbauten fotografierte Irmel Kampf hier besonders viele Wohnhäuser- oder Reihenhäuser aber auch Villen aus der Zeit ihres Interesses. Dabei fiel ihr Kamerablick bei weitem nicht nur auf Entwürfe von Berühmtheiten, wie Henry Van de Velde oder den Brunfaut-Brüdern, sondern auch auf international vielleicht weniger bekannte belgische Architekten, wie Adrien Blomme oder Louis Tenaerts.

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©Irmel Kamp, Maison, 1930 Raphael Delville Uccle, Courtesy Galerie Thomas Fischer

Rund 40 Fotos zu sehen

Das IKOB zeigt im Rahmen „Brüssel und Tel Aviv“ etwa 40 Fotos, die etwa zur Hälfte in jeweils einer dieser Städte entstanden. Nur selten sind auf Irmel Kampf Bildern Menschen zu sehen, doch die fotografierten Gebäude selbst, die manchmal davor geparkten Autos und der „Zahn der Zeit“, der an diesen Gebäuden manchmal sichtbar nagt, erzählen vom Leben und Arbeiten darin.

Gleich zwei Fotos von Irmel Kamp im IKOB zeigen die frühere Brauerei „Wielemans Ceupens“ im Brüsseler Stadtteil Vorst/Forest (Foto oben und unten) unweit des Brüsseler Bahnhofs Süd/Midi, die 1930 von Adrien Blomme entworfen wurde. Heute beherbergt diese Brauerei „WIELS“, ein inzwischen überregional renommiertes Zentrum für Zeitgenössische Kunst. Dort wurde gerade die erste belgische Soloausstellung des deutschen Künstlers, Fotografen und Turner-Preisträgers Wolfgang Tillmans eröffnet (noch bis zum 24. Mai 2020, Info: http://www.wiels.org).

Irmel Kamp: „Brüssel und Tel Aviv“, noch bis zum 19. April 2020, IKOB - Museum für Zeitgenössische Kunst, Rotenberg 12b, 4700 Eupen. Info: http://www.ikob.be/

Irmel Kamp, Bruxelles (Basserie Wielemans-Ceuppens), 1997, Sibergelatinprint, Barythpapier, 60 x 50 cm, © Irmel Kamp, Courtesy Galerie Thomas Fischer