Nicolas Maeterlinck

Sturm "Ciara" hat Belgien erreicht: Wie hat sich das Land darauf vorbereitet?

Wenn ab Sonntag der Sturm „Ciara“ mit seinen Orkanböen und seinen Windgeschwindigkeiten von 100 bis 120 km/h über unser Land hereinbricht, dann gilt die Wetterwarnstufe „Code Orange“. Auch Flandern und der Rest des Landes bereiten sich auf diesen Sturm vor.

An der belgischen Nordseeküste wird eine Springflut erwartet und der Orkan mit Windstärke 9 bis 10 zeigt sich nach derzeitiger Wettervorhersage dort unterschiedlich. Während der Sturm „Ciara“ am Sonntagabend seinen Höhepunkt erreicht, werden die hohen Flutwellen erst ab Montagnachmittag erwartet. In Ostende werden die Hafendämme gesperrt und die flämische Landesagentur für Maritime Dienstleistung und Küste wird die auf Pfählen errichteten Piers in Nieuwpoort und Blankenberge schließen. In Wenduine werden die mobilen Wehre geschlossen.

Springflut ab Montag erwartet

Die erwartete Springflut kann auch dafür sorgen, dass am Montag und am Dienstag die Wasserpegel von Zuflüssen der Schelde steigen werden. Das ist nach Behördenangaben wahrscheinlich der Fall für Durme, Dijle, Rupel und Nete. Das vor der Küste von Ostende an die Kette gelegte Frachtschiff „Life Passion“, das Probleme durch Explosionen in brodelndem Eisenerz in der Ladung hat, ist aus Vorsicht zu einem Ankerplatz in Everingen an der Westerschelde geschleppt worden, um den Sturm dort abzuwarten. Inzwischen scheint hier die Gefahr gebannt zu sein, denn die Schidffahrtsbehörden ließen den Frachter zu seinem Zielhafen Gent weiterfahren, wo er gegen 9 Uhr am Sonntagvormittag angekommen ist. 

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Foto Kurt

Auswirkungen auf Sport und andere Events

Land auf, Land ab, sind auch viele für Sonntag geplante öffentliche Events und Sportveranstaltungen, wie Fußballspiele der ersten und zweiten Liga, sowie der Regional- und der Amateurliegen, Radrennen - z.B. Radcross-Meisterschaftsläufe, Crossläufe oder ähnlichem abgesagt worden. In allen Provinzen des Landes sind alle Friedhöfe sowie die Stadt- und Naturparks geschlossen worden. Ähnliche Vorsichtsmaßnahmen.

Überall werden Probleme erwartet

Probleme erwarten auch die Flughafenverwaltungen des Brussels Airport und der anderen belgischen Flughäfen. Hier hat man sich zwar auf den Sturm vorbereitet, doch es kann durchaus zu Verspätungen bei Starts und Landungen kommen. Am Nationalflughafen wurden für Sonntagnachmittag rund 60 Flügeabgesagt. Die Webseite des Flughafens informiert betroffene Reisende über den Stand der Dinge

Infrabel, der Infrastrukturdienstleister der belgischen Bahn, teilt ebenfalls mit, dass der Sturm am Sonntag und am Montag Auswirkungen auf den Zugverkehr haben könnte. Das kann z.B. bedeuten, dass Schnell- und Hochgeschwindigkeitszüge langsamer fahren müssen oder das Züge Umleitungen fahren müssen, weil Gleise oder Oberleitungen durch umstürzende Bäume in Mitleidenschaft gezogen werden. Hier informiert die Webseite der belgischen Eisenbahngesellschaft NMBS/SNCB über den Stand der Dinge im Fahrplan.

Notrufnummern

Die Behörden die Notrufnummer 1722 aktiviert. Diese Nummer soll für Einsätze der Feuerwehr angewählt werden, die nicht dringend sind, wie z.B. Sturmschäden ohne Personenbeteiligung. Durch die Notrufnummer 1722 für nicht dringende Fälle soll die Notrufnummer 112 möglichst frei bleiben und für dringende medizinische Einsätze wie z.B. bei Vorfällen mit Schwerverletzten oder für Sturmschäden mit lebensgefährlich Verletzten. Die 112 kann auch angewählt werden, wenn z.B. akute Gefahr durch herabhängende Stromleitungen herrscht. Unwettercode Orange gilt für quasi das ganze Land und weist auf schwere Regenschauern, gepaart mit Blitz und Donner sowie möglicherweise Hagel hin. Dabei können auch heftige Windböen Schäden anrichten. Mit umstürzenden Bäumen oder lokal mit Überschwemmungen muss gerechnet werden.

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Kurt Desplenter

Einige Schulen bleiben geschlossen und die Scouts bleiben zu Hause

Verschiedener Orts in Flandern werden am Montag einige Schulen geschlossen bleiben, um die Kinder und Jugendlichen nicht zu gefährden. Dabei handelt es sich vorwiegend um Schulen, die sich in unmittelbarer Nähe zu Parks oder Wäldern befinden. Da man bei den zu erwartenden Windgeschwindigkeiten davon ausgeht, dass auch Bäume umstürzen können, geht man dort lieber auf Nummer sicher.

Traditionell finden die Aktivitäten der Pfadfinder und Scouts in Brüssel und Flandern eher an Sonntagen statt. Doch der Pfadfinder-Dachverband „Scouts en Gidsen Vlaanderen“ bittet die einzelnen Gruppen, ihre Aktivitäten an diesem Sonntag zu überdenken. So sollte auf Außenaktivitäten, wie Wandern, Waldspiele, Radtouren oder ähnlichem verzichtet werden. Der Verband erinnert auch daran, dass Wälder, Naturparkanlagen und die kommunalen und provinzialen Parks bis Dienstagmorgen gesperrt sind, also nicht betreten werden dürfen.

Nicolas Maeterlinck

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