Immer mehr Menschen müssen auf Lebensmittelbanken zurückgreifen

Die Zahl der Menschen in Belgien, die auf Unterstützung von Lebensmittelbanken angewiesen sind, ist 2019 auf eine neue Rekordhöhe gestiegen. Letztes Jahr griffen 168.476 Menschen auf diese Art Hilfe zurück. Das entspricht einem Anstieg um 5,9 % gegenüber 2018.

Zu den Bedürftigen, die sich selbst zu solchen Einrichtungen begeben müssen, kommen noch einmal rund 152.000 Personen hinzu, die über Hilfsorganisationen oder über öffentliche Sozialhilfezentren mit Lebensmitteln oder anderen Dingen des täglichen Lebens versorgt werden.

Das Problem der Armut kennt in dieser Hinsicht keine Altersbeschränkung, denn Menschen zwischen 18 und 65 Jahren zu diesen Einrichtungen. Rund 12 % der Bedürftigen, die zu Lebensmittebanken gehen müssen, sind Rentner. Neben der Zahl derer, die sich so verpflegen müssen, erreichte 2019 auch die Menge der hier verteilten Waren eine neue Rekordhöhe: 17.936 Tonnen oder 17 % mehr als im Jahr davor.

Nach Angaben von Jef Mottar vom Dachverband der belgischen Lebensmittelbanken versorgen hier sich viele Alleinerziehende mit Nahrung und anderem. Die Zahl der Bedürftigen, sie sich an Lebensmittelbanken wenden müssen, steigt konstant seit den 1990er Jahren, so Mottar.

Die Soziologin und Armut-Spezialistin Bea Cantillon von der Antwerpener Universität (UAntwerpen) stellt fest, dass diese Entwicklung auch auf den sich stets mehr verschlechternden sozialen Schutz in Belgien zurückzuführen ist: „Sozialhilfezentren schicken Menschen, die vom Existenzminimum leben müssen, oft schon direkt zu den Lebensmittelbanken. Das ist ein Zeichen für ein Versagen des Systems.“

Sorgen macht auch Piet Vanthemsche, der Vorsitzende der Belgischen Föderation der Lebensmittelbanken. Er gab an, dass die zukünftige Finanzierung dieser sozialen Einrichtung auf wackligen Füßen steht. Teile der Mittel, die dazu in Belgien aufgewendet werden, kommen aus dem reformierten Fonds für europäische Hilfe für Bedürftige und hier werden die jährlichen Haushalte ab 2021 von 88 Mio. € innerhalb von sechs Jahren auf 51 Mio. € gesenkt: „Das wird bei den lokalen Vereinigungen schnell für Probleme sorgen.“

Albuquerque Journal

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