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Telenet und DPG Media: Flämische Mediengruppen wollen Netflix die Stirn bieten

Die flämische Mediengruppe DPG Media und der Telekomanbieter Telenet werden Ende des Jahres mit einer Streaming-Plattform aufwarten, der eine Art Netflix in Flandern werden soll. Diese Plattform soll nur für Abonnenten zugänglich sein und sowohl flämische, als auch internationale Produktionen zeigen. Unser Haus, der öffentlich-rechtliche Rundfunk VRT, nimmt daran nicht teil, ist aber offen für eine Zusammenarbeit. Landesmedienminister Dalle garantierte in diesem Zusammenhang, dass mit Steuergeldern finanzierte Inhalte auf jeden Fall gratis zugänglich bleiben.

Initiator dieser Streaming-Plattform ist die flämische Mediengruppe DPG Media, zu der unter anderem der private TV-Sender VTM und Flanderns meistverkaufte Tageszeitung Het Laatste Nieuws gehören. DPG Media suchte schon länger nach einem Partner für diese Netflix-Konkurrenz, denn ein solches Unterfangen auf einem auch noch so kleinen Markt wie dem flämischen, wollte man alleine nicht angehen.

Jetzt fand sich mit dem Telekomanbieter Telenet, der sowohl Mobilfunk anbietet, als auch TV-Angebote - zu Telenet gehören die beiden privaten Fernsehsender „Vier“ und „Vijf“ - im Angebot hat, ein starker Partner. Die neue Gruppe, deren Streaming-Angebot noch keinen Namen hat, will ab Jahresende 2020 sowohl flämische, als auch internationale Produktionen und TV-Serien anbieten. Das Angebot läuft über bezahlbare Abos in verschiedenen Formen. Fest steht bisher aber lediglich, dass ein Basisabonnement rund 10 € kosten könnte.

Herausgefordert

Abonnenten soll dabei möglich werden, z.B. Serien oder Reality-TV-Programme von DPG Media-Sender VTM anzuschauen, bevor diese im eigenen Digitalangebot eVTM gezeigt werden. Die neue Plattform soll für alle TV- und Medienkunden in Flandern angeboten werden, also auch für Kunden des Telenet-Konkurrenten Proximus. Die rund 400.000 Kunden von Telenet, die sich per Abo bei „Play“ oder „Play More“ angemeldet haben, werden automatisch auf den neuen Streaming-Dienst wechseln.

Telenet brauchte nach eigenen Angaben ein eigenes Streaming-Angebot, denn die Konkurrenz von Netflix oder Disney+ wurde immer größer. Schon jetzt werden zahlreiche flämische Produktionen exklusiv nur bei Netflix gezeigt oder direkt für dieses Unternehmen produziert. Dadurch fühlte sich Telenet regelrecht herausgefordert und suchte nach einer gemeinsamen flämischen Antwort, die man jetzt mit Hilfe von VTM und DPG Media gefunden hat. Unser Haus, der öffentlich-rechtliche Rundfunk des belgischen Bundeslandes Flandern, VRT, lehnte eine Teilnahme an diesem Projekt vorerst ab, ist aber offen für eine konkrete Zusammenarbeit.

Medienminister: „VRT-Inhalte in flämischem Netflix müssen gratis bleiben"

Flanderns Medienminister Benjamin Dalle (CD&V) begrüßte das Interesse unseres Hauses am „Flämischen Netflix“. In der VRT-Talksendung „De afspraak“ („Die Verabredung“) versicherte er aber, dass alle Fernsehzuschauer die Inhalte unserer Programme weiterhin kostenlos sehen können, auch wenn es zu einem Einstieg in dieses Unternehmen käme. Damit hätten alle TV-Zuschauer, die kein Abo beim „Flämischen Netflix“ nehmen, weiterhin garantiert freien Zugang zu allen VRT-Inhalten.

„Natürlich muss ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk in erster Instanz dafür sorgen, dass sie eigenen Produktionen gratis zur Verfügung stehen. Man kann das stets live im Fernsehen sehen können. Es ist sehr wichtig, dass das so bleibt“, so Dalle am Mittwochabend in „De afspraak“.

Schließlich, so der flämische Christdemokrat, würden die VRT-Inhalte über Steuergelder finanziert. Er selbst wolle in den Vorgang nicht eingreifen und gab zu verstehen, dass es Sache der VRT-Direktion sei, wie und in welchem Umfang unser Haus beim „Flämischen Netflix“ mitmachen soll oder kann. 

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