Die Zahl der Winzer in Flandern steigt seit 30 Jahren jedes Jahr an

2019 ist die Zahl der anerkannten Winzer im belgischen Bundesland Flandern erneut gestiegen. Inzwischen bauen hier 110 Winzer Wein an. Das sind 10 Weinbauern mehr als im Jahr davor und 16 mehr als 2017. Allerdings ging die Menge des im vergangenen Jahr produzierten Weins hierzulande leicht auf rund 705.000 Liter zurück. 

Flämische Winzer produzieren ihren Wein am liebsten aus drei Trauben. Am häufigsten wird hier Chardonnay angebaut, doch auch Pinot Gris oder Pinot Noir sind bei flämischen Winzern sehr beliebt. Die Zahl der Winzer hierzulande steigt von Jahr zu Jahr. Doch woran liegt das? Ist das für viele nur ein Hobby? Profitiert der Weinanbau hier wegen des Klimawandels? Oder ist Weinanbau in unseren Breitengraden eine jahrhundertealte Tradition?

Die Antwort liegt irgendwo dazwischen. Historisch erwiesen ist allerdings, dass die Römer vor 2000 Jahren hier schon Weinanbau betrieben haben. Das blieb so, auch nach dem sie wieder weg waren. Im frühen Mittelalter erlebte der hiesige Weinanbau sogar eine regelrechte Blütezeit. Damals war das Tal der Maas ein riesiges Anbaugebiet. Im 14. Jahrhundert hatte wohl jede Stadt und jedes Dorf an der Maas seinen Weinberg und von dort aus entwickelte sich die Winzerei auch in Richtung Norden weiter. 

Klimawandel?

Doch am Ende des 15. Jahrhunderts war die Blütezeit der Weinkultur in den Breitengraden, in denen sich Belgien heute befindet, erst einmal vorbei. Woran das genau gelegen hat, ist nicht bekannt, doch die sogenannte „Kleine Eiszeit“ hat damals klimatechnisch wohl schon eine Rolle gespielt. Diese recht kalte Periode mit heftigen und eisigen Wintern und eher frischen Sommern machte den Weinanbau praktisch unmöglich.

Und in der napoleonischen Zeit wurde mehr und mehr Wein aus Frankreich und Deutschland eingeführt, was seinerzeit an der deutlichen Verbesserung der Transportwege lag. Nicht zuletzt stiegen hierzulande auch die Bevölkerungszahlen stetig und dort, wo früher Wein angebaut wurde, mussten Acker entstehen, um all die Menschen mit landwirtschaftlichen Produkten zu versorgen. Damals verschwand die Weinkultur hier völlig. Und erst vor rund 30 Jahren wurde in Flandern wieder ein erstes Weingut eröffnet. 

Vor 30 Jahren ging es wieder los…

Dieses Weingut entstand am Weinschloss von Genoels-Elderen unweit von Tongeren an der alten Maas nicht weit von der niederländischen Grenze in Richtung Maastricht entfernt. Dieses Gut verfügte über eine recht umfangreiche Anbaufläche und die Erfolge, die hier erzielt wurden, ermutigten bald Interessenten, diese alte Tradition in Flandern wieder aufleben zu lassen. Potentielle Kunden, sprich Weinliebhaber und -kenner, gab und gibt es hier viele und inzwischen haben sich viele Menschen aus diesen Kreisen in Sachen Weinbau informiert und speziell auch ausbilden lassen.

Da mag es nicht mehr verwundern, wenn in Flandern heute 110 Winzer aktiv sind, die inzwischen über 263 Hektar ideale Anbaufläche verfügen. Allerdings ging die Menge des im vergangenen Jahr in Flandern produzierten Weins leicht auf rund 705.000 Liter zurück. Inzwischen gibt es auch spezifisch flämische Appellationen: BOB Haspengouw, BOB Mousserende Kwaliteitswijn, BGA Vlaamse Landwijn, BOB Hageland und BOB Heuvelland (Stand 2017). Nach Ansicht von Fachleuten steigt die Qualität des flämischen Weins ständig und mehr Expertise sorgt dafür, dass es hier weitergehen wird. Es sei noch viel möglich, so die Ansicht von hiesigen Winzern.

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