Geens äußert sich in der VRT besonders bitter über die politische Situation in Belgien

"Ich hätte mir einen etwas eleganteren Ausritt gewünscht als den Eselstritt vom Freitagmorgen" und die "CD&V ist nicht der Wischlappen der Wetstraat". Der ehemalige königliche Beauftragte Koen Geens (CD&V) war in der VRT-Sendung "De zevende dag" an diesem Sonntag sehr bitter und sparte nicht mit scharfer Kritik, nachdem Paul Magnette (PS) kurz vor dem Wochenende (erneut) ein "Njet" für Verhandlungen zwischen seiner Partei und der N-VA geäußert hatte.

Am Freitag hatte Koen Geens das Handtuch geworfen und sich beim König von seinem Auftrag entbinden lassen. Das war einige Tage früher als geplant. Danach hieß es, dass eine Regierung mit den französischsprachigen Sozialisten von der PS und den flämischen Nationalisten von der N-VA begraben sei. Magnette, hatte zu verstehen gegeben, dass er einfach nicht mit der N-VA an einen Verhandlungstisch wolle.

In "De zevende dag" hat Geens Paul Magnette heftig kritisiert. "Ich war überzeugt, dass ich das Vertrauen der beiden Hauptparteien (PS und N-VA) hatte. Jetzt zu kommen, um mir zu sagen, dass es keine Gemeinsamkeiten gibt - da muss ich wohl sehr schlecht zugehört haben". „Ich bin kein naiver Mensch. Ich habe den Auftrag angenommen, weil ich wusste, dass ich die beiden Parteien hätte zusammenbringen können. Sonst hätte ich meinen Kopf nicht hergehalten.”

"Ich hätte mir einen etwas eleganteren Austritt gewünscht als den Eselstritt vom Freitagmorgen. Niemand verdient das", so Geens auch noch.

Ich fühle mich nicht persönlich angegriffen, aber wer meine Partei angreift, wird auf meinen Widerstand stoßen"

Und er ist besonders unglücklich über die Berichterstattung über seine Partei. "Meine Partei ist die beste Partei, die es gibt. Alle schreiben jetzt, dass die flämischen Christdemokraten von der CD&V den Schlüssel in der Hand halten, aber wir sind erst sechs Monate nachdem sie begonnen haben, erstmals aktiv beteiligt worden. Wir sind kein Passepartout, wir sind nicht der Wischlappen der Wetstraat."

"Wenn man reden will, muss man über die ethischen und die Reform-Fragen sprechen. Unser Land wird nicht überleben, wenn wir uns in diesen Reform-Fragen nicht gründlich einigen. Dass muss nicht jetzt sein, aber bis zu den nächsten Wahlen. Doch wer jetzt auf Neuwahlen setzt, weil Koen Geens gesagt hat, dass lila-gelb nicht möglich ist, spielt mit dem Schicksal dieses  Landes und stellt die CD&V auf eine harte Geduldsprobe. Ich bin nicht wütend, dass man mir in den Rücken schießt, solange man mir nicht in den Kopf schießt, denn dann bin ich tot. Ich fühle mich nicht persönlich angegriffen, aber wer meine Partei angreift, wird auf meinen Widerstand stoßen", so Geens sichtlich erbost.

Nichts auf dieser Welt ist jemals gut ausgegangen, wenn man nicht zusammen sitzen wollte"

Auf die Frage, ob Geens überhaupt noch bereit sei, sich mit der PS an einen Tisch zu setzen, sagte Geens: "Nichts auf dieser Welt ist jemals gut ausgegangen, wenn man nicht zusammen sitzen wollte. Das ist es, was mich so sehr frustriert", betonte Geens noch.

Dass sich viele Menschen am Tisch nicht einmal gegenseitig verstehen, macht das Land kaputt"

"Um dieses Land nachhaltig zu erhalten, müssen alle einen kühlen Kopf behalten und nicht immer nur auf ihrem eigenen Feld spielen. Ein schönes Tor gegen den eigenen Torwart zu schießen, ist das Einfachste, was es gibt. Man macht das permanent."

"Doch muss man vielmehr auf der anderen Seite des Feldes spielen, und dort sagen, was man zu sagen hat, wie ich es regelmäßig im französischsprachigen Sender mache. Man macht das viel zu wenig, und das macht das Land, in dem man in den dreißiger Jahren beschlossen hat, nicht zweisprachig, sondern einsprachig zu werden, so dass sich viele Menschen am Tisch  nicht einmal gegenseitig verstehen, kaputt", wetterte Geens. "Das ist schade, denn jeder spricht immer nur zu seiner eigenen Gemeinschaft. Und das führt zu nichts."