Bart De Wever (N-VA) plädiert für flämische Front. Open VLD und CD&V lehnen "Kriegssprache" ab

Nach dem „Njet“ des PS-Vorsitzenden Paul Magnette gegen eine Regierung mit der N-VA und der anschließenden Entlassung des königlichen Kommissars Koen Geens (CD&V) rief der N-VA-Vorsitzende Bart De Wever (Foto) die anderen flämischen Parteien auf, nicht ohne die N-VA in eine belgische Bundesregierung einzutreten. Die flämischen Parteien sollten einfach „Nein" zum Diktat der französischsprachigen Sozialisten PS sagen, findet der Parteivorsitzende der flämischen Nationalisten. Die Vorsitzende der Open VLD, Gwendolyn Rutten, hält nichts vom "Frontszenario" von De Wever. Auch der CD&V-Vorsitzende Joachim Coens fühlt nichts dafür, bleibt aber der Meinung, dass die N-VA in die Regierungsbildung eingebunden werden sollte. Der PS-Vorsitzende Paul Magnette ist nicht von der N-VA beeindruckt.

"Wenn die Flamen nicht auf die Bremse treten, bekommen wir eine belgische Regierung ohne Mehrheit in Flandern“. Angesichts der Wahlergebnisse in Flandern "ist es nicht zu rechtfertigen, dass flämischen Christdemokraten und Liberale in eine linke flämische Regierung einsteigen", warnt Bart De Wever und fordert die anderen flämischen Parteien auf, "sich nicht zu beugen".

Es wäre "schwer zu verstehen", dass die Open VLD und CD&V, Koalitionspartner der N-VA in der flämischen Regierung, "das verraten, was sie im Koalitionsabkommen der flämischen Regierung vereinbart haben", warnt der Parteivorsitzende der flämischen Nationalisten. 

"Es ist eine Frage der Selbstachtung"

"Die Frankophonen, vor allem die PS, müssen sehen, dass sie keine Uneinigkeit zwischen uns säen können. Es ist eine Frage des Selbstwertgefühls", kommentierte der ehemalige N-VA-Staatssekretär Theo Francken im Morgenmagazin "De Ochtend" auf Radio 1 (VRT).

Die CD&V hofft weiterhin auf eine belgische Regierung mit der N-VA und mit einer Mehrheit sowohl in der flämischen als auch in der französischen Sprachgruppe, sagten führende flämische Christdemokraten vor Beginn des wöchentlichen Parteibüros.

Das Scheitern der königlichen Mission des Christdemokraten Koen Geens scheint einen bitteren Geschmack bei der CD&V hinterlassen zu haben. Etienne Schouppe, ehemaliger Staatssekretär, findet, dass der PS-Vorsitzende Paul Magnette seine Partei sehr schlecht behandelt habe, was "Konsequenzen haben wird".

Diejenigen, die glauben, dass CD&V eine so genannte Vivaldi-Koalition mit den Liberalen, Sozialisten und Grünen eingehen wird, liegen falsch, heißt es in der Partei. "Müssen wir noch 100 Mal sagen, dass Vivaldi für uns ausgeschlossen ist? ", fragt Eric Van Rompuy. Servais Verherstraeten wiederholt erneut, dass seine Partei weiterhin eine belgische Regierung mit einer Mehrheit sowohl im Norden als auch im Süden befürworte.

"Sprache des Krieges"

Die Präsidentin der flämischen Liberalen ihrerseits scheint die Aussagen von Bart De Wever nicht zu mögen. "Eine Front zu bilden ist eine Sprache des Krieges. Die Open VLD nimmt nicht daran teil", twitterte Gwendolyn Rutten. "Wir entscheiden uns für die Zusammenarbeit,  aber für ein besseres Belgien, im Bündnis mit der MR", den frankophonen Liberalen. "Ich denke, es ist besonders wichtig, ruhig zu bleiben", kommentierte Gwendolyn Rutten in  der VRT. "Diese Art von Kriegssprache hilft uns nicht wirklich weiter. Das führt nur in eine Sackgasse", schloss sie.

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