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Löwen: Tunnel, unterirdische Gänge und Schutzkeller kartografisch erfasst

Die Universitätsstadt Löwen, gleichzeitig die Hauptstadt der Provinz Flämisch-Brabant, ist weltbekannt. Doch die wenigsten wissen, welche Geheimnisse diese Stadt noch in Petto hat. Um solche Wissenslücken zu füllen, braucht es Menschen, die von der Geschichte ihrer eigenen Stadt fasziniert sind. Einer von ihnen hat eine Webseite gebaut, auf der alle möglichen unterirdischen Anlagen von Löwen verzeichnet sind. 

Auf der Internetseite Leuvenondergronds.be können insgesamt fast 50 verschiedene historische unterirdische Anlagen in Löwen entdeckt werden. Dabei handelt es sich um Tunnel und andere unterirdische Gänge und auch um Keller, die auch als Schutzkeller gedient haben. Zusammengestellt hat diese Internet-Stadtkarte Frederic Hecq, ein Löwener Bürger, den alles begeistert, das mit seiner Stadt zu tun hat, sowohl über der Erde, als auch darunter.

Hecq bekommt Tipps zu solchen unterirdischen Anlagen aus allen Richtungen. Sie kommen von anderen Löwener Bürgern aber auch vom Fremdenverkehrsamt der Stadt. Manche Keller z.B. im historischen Zentrum der Universitätsstadt liegen unter alten Gebäuden, die heute als Café oder Restaurant genutzt werden und die Wirte nutzen diese Keller als kühles Lager für ihre Getränke (Foto oben).

Vor kurzem erhielt Frederic Hecq einen Hinweis vom touristischen Dienst der Stadt. Hier wurde in Erfahrung gebracht, dass es einen unterirdischen Gang unter einer Schule hindurchführen soll und zwar unter dem Heiliggeist-Kolleg unter der Namsestraat. In diesem historischen Gebäude ist heute ein Studentenwohnheim eingerichtet. 

Eine traurige Geschichte

Der Direktor des Kollegs, Pieter De Geyter, wusste dies allerdings auch, wie er gegenüber dem VRT-Regionalsender Radio 2/Flämisch-Brabant erzählte: „Es wird erzählt, dass die Priester des Kollegs früher hierdurch zur Kirche auf der anderen Straßenseite gehen konnten, um dort die Messe zu lesen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde dieser Tunnel aber auch als Schutzraum genutzt. Aber, am 11. Mai 1944 wurde das Kolleg von einer Bombe getroffen. Damals verloren 46 Menschen ihr Leben, auch die, die im Tunnel Schutz gesucht hatten. Das ist ein trauriges Kapitel in der Geschichte des Heiliggeist-Kollegs.“

Der Gang dieses Tunnels ist auffallend groß, wie Frederic Hecq dazu erzählt: „Unter dem Heiliggeist-Kolleg verläuft ein auffallend großer Gang genau unter dem Innenhof. Die älteren Tunnel sind eher eng und waren nur knapp groß genug, um Leute durchzulassen. Hier aber können Pferdekutschen durchfahren.“ 

Das historische Zentrum von Löwen: Geschichte und Geschichten unter geschichtsträchtiger Oberfläche
Flip Franssen