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Ultimas: Auch die Verleihung der flämischen Kulturpreise verlief nicht ohne Zwischenfälle

Am Dienstagabend sind im Concertgebouw in Brügge die Ultimas 2019 verliehen worden. Das sind die Kulturpreise der Flämischen Gemeinschaft. Doch auch diese Veranstaltung verlief nicht ohne Zwischenfälle bezüglich der drastischen Einsparungen im Landeskulturhaushalt. Flanderns Ministerpräsident und Landeskulturminister Jan Jambon (N-VA) wurde einmal mehr ausgebuht und ausgezeichnete Künstler blieben der Veranstaltung fern.

Der bildende Künstler Luc Tuymans, Gewinner des wichtigsten flämischen Kulturpreises, nämlich des Ultimas für Allgemeine Kulturelle Verdienste, blieb der Veranstaltung fern und spendete den mit diesem Ultima verbundenen Geldpreis dem Kunst- und Kulturprojekt für Jugendliche, „Let’s go urban“. Ein weiterer bildender Künstler, Walter Swennen, spendete seinen Geldpreis demonstrativ der kommunistischen Partei PvdA. Und Kulturminister Jan Jambon (N-VA - Video oben) wurde einmal mehr ausgebuht und sogar mit Tomaten beworfen. Mit solchen und ähnlichen Aktionen protestierten viele flämische Kunst- und Kulturschaffende gegen die drastischen Einsparungen und gegen die selektive Zuschusspolitik der flämischen Landesregierung unter Ministerpräsident Jambon.

Die Ultimas sind die flämischen Kulturpreise, die jedes Jahr tonangebenden Künstlern aller Sparten, Schauspielern, Musikern, Vereinigungen, Initiativen uvm. verliehen werden. Jeder Preis ist mit 10.000 € dotiert und der Preis für Allgemeine Kulturelle Verdienste sogar mit 20.000 €. Dass Luc Tuymans diesen Ultima erhielt, war seit der vergangenen Woche bereits bekannt. Er habe seine Laufbahn mit zwei wichtigen Übersichtsausstellungen gekrönt, hieß es dazu. Tuymans hatte letztes Jahr zwei international beachtete Ausstellungen: „La Pelle“ im Palazzo Grassi in Venedig und „The return“ im Museum De Pont in Tilburg. Tuymans gehörte zu den ersten namhaften flämischen Künstlern, die öffentlich und lautstark die „neue“ flämische Kulturpolitik kritisierten. 

Die wichtigsten Ultimas 2019 im Einzelnen

Ultima Letteren für die Schriftstellerin Rachida Lamrabet für deren Roman „Vertel het iemand“ („Erzähl es jemandem“), ein Buch über einen französisch-marokkanischen Zeichner, der im Ersten Weltkrieg an die Front ziehen muss.

Ultima Film: Emma De Swaef und Marc James Roels für verschiedene Animationsfilme für die Werbung und für den Zeichentrickfilm „Ce magnifique gâteau“ über die Kolonialgeschichte unseres Landes. De Swaef sitzt übrigens als eine der wenigen Frauen aus dem Filmgeschäft überhaupt in der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die u.a. die Oscars vergibt.

Der Ultima für Musik geht nicht an Musiker oder Band und Ensembles, sondern an das Musikzentrum De Centrale in Gent, wo Musikern aus allen Genres und verschiedenster Herkunft eine Bühne geboten wird. Diese Initiative organisiert auch Workshops und beherbergt eine Musikschule für Welt- und Folkmusik.

Ultima für Bildende Kunst: Walter Swennen, ein Künstler, der in vielen Stilen zuhause ist, dessen Basis aber eine von Anarchie und Humor durchzogene Malerei ist. Swennen gab sein Preisgeld der Arbeiterpartei PvdA mit der Begründung: „Das ist Geld von uns allen, also sollten wir das wieder einsetzen.“

Der Ultima für Bühnenkünste ging an das Szenografen- und Bühnenbauer-Duo Jozef Wouters und Menno Vandevelde bzw. an deren Werkstatt „Decoratelier“. Hier entstanden die Bühnenbilder für einige vielbeachtete Theaterproduktionen der vergangenen Jahre und 2019 arbeiteten die beiden mit vielen jungen Mitarbeitern und förderten so in ihrem Bereich den Nachwuchs.

Der BILL Award für junge Talente ging an die 25 Jahre alte Studentin und Filmemacherin Kato De Boeck für ihren Abschlussfilm „Provence“, der dafür sorgte, dass viele ein Auge auf sie geworfen haben, weil von ihr noch einiges zu erwarten ist. Sie wurde sowohl von der Ultima-Jury, als auch über eine Onlinejury von Jugendlichen ausgezeichnet.

Weitere Ultimas

Weitere Ultimas gingen an den Grafiker Paul Ibou alias Paul Vermeersch, der Werbegrafik mit Kunst verbindet; an die Amateurbühne „Mama’s Open Mic“, ein Forum für Dichter, Poety Slammer, Sänger, Rapper, Hiphopper, oder auch Stand-Up Comedians; an die sozio-kulturelle Erwachsenenbildungsinitiative Humain vzw. für die Aufnahme von Flüchtlingen und deren Arbeit, diese in ein positives Licht zu rücken.

Auch an die Kulturunternehmer von Allez Chantez!, die mit Veranstaltungen von Singspektakeln (in Deutschland auch als „Rudelsingen“ bekannt) 2019 rund 15.000 Leute auf die Beine brachten; an das Flämische Architekturinstitut VAi als Referenzeinrichtung für Bildungsinitiativen rund um die Architekturgeschichte und um das bauliche Kulturerbe und an einige lokale Kulturinitiativen für den gelungenen Aufruf an die Bewohner ihrer Stadt, sich kulturell auf die eine oder andere Art und Weise zu engagieren, gingen Ultimas.