Flanderns MP Jambon will in London in Zeiten des Brexit die flämisch-britische Freundschaft auffrischen

Flanderns Ministerpräsident Jan Jambon (N-VA - Foto) nahm am Donnerstag in seiner Funktion als Kulturminister an der Eröffnung der Ausstellung mit Werken des Malers Léon Spilliaert in der Royal Academy in London teil. Dort bemerkte er: „Es ist gut, um in Zeiten des Brexit, die historischen und kulturellen Verbindungen zwischen Flandern und Großbritannien aufzufrischen.“ Flandern und Großbritannien liegen an der Nordsee, so Jambon. Schon dies sorgt für jahrhundertealte Gemeinsamkeiten. Und diese Nordsee war für den Maler Léon Spilliaert immer eine Art roter Faden in seinem gesamten Werk. 

Jambon erinnerte im Rahmen seiner Eröffnungsansprache daran, dass Großbritannien und Flandern Länder seien, die an der Nordsee liegen und dass man seit Jahrhunderten schon Handel miteinander treibe. Und auch auf kultureller Ebene hätten beide Nordseeanrainer vieles gemeinsam. So bemerkte der flämische Landeschef und Kulturminister, dass im 16. Jahrhundert auch in einigen Gegenden in England flämische Dialekte gesprochen wurden, dass Thomas More sein „Utopia“ in Flandern verfasste und dass König Charles I. die hiesigen Maler Anton Van Dyck und Pieter Paul Rubens seinerzeit zu Rittern geschlagen habe.

„Heute ist Großbritannien für den Export aus Flandern das drittwichtigste Land. Wir gehören zu den 10 wichtigsten Handelspartnern der Briten und unsere Häfen Gent und Antwerpen sowie insbesondere Zeebrügge und Ostende haben einen Schwerpunkt auf den britischen Inseln. Wir begrüßen jährlich 900.000 britische Touristen, die z.B. hier dem Ersten Weltkrieg gedenken. Doch sie machen auch hier Geschäfte, genießen unsere Gastronomie, besuchen unsere kulturelles und historisches Kulturerbe“, so Jambon.

Er werde alles daran setzen, so Jambon, dass die starken und seit langem bestehenden Verbindungen beider Länder bestehen bleiben, „zum Beispiel, durch das Plädieren für ein gutes Handelsabkommen zwischen Großbritannien und der Europäischen Union.“ 

Léon Spilliart und die Melancholie der Nordsee

Léon Spilliaert (1881-1946) hatte als in Ostende aktiver Künstler - die meisten seiner Werke entstanden hier - seinen eigenen melancholischen und für ihn typischen introvertierten Stil entwickelt. Spilliaert konnte in seine Gemälde Licht und Freiheit bringen und immer wieder war die Nordsee sein Motiv oder sie bildete den Rahmen seiner Inhalte. Er war auch von der nächtlichen Erscheinung der Nordsee und ihrer mysteriösen Schwärze fasziniert und konnte diese malerisch festhalten. Dabei nutzte er indische Tinte, die in seinen Bildern für ein feines Spiel zwischen Licht und Dunkelheit sorgte.

Spilliaert ist international auch rund 75 Jahre nach seinem Tod noch weitgehend unbekannt. Das liegt auch daran, dass nicht viele Werke öffentlich zu sehen sind. Rund 85 % seiner über 4.000 Werke - Gemälde und vor allem viele Zeichnungen - befinden sich in Privatbesitz. Nur wenige international renommierte Kunstmuseen haben überhaupt einen Spilliaert in ihrer Sammlung. Darunter ist immerhin das Metropolitan Museum in New York.

„Léon Spilliaert“ in der Royal Academy in London ist ab dem 23. Februar für das Publikum geöffnet und wird dort noch bis zum 25. Mai zu sehen sein. Ab Mitte Juni ist eine weitere Spilliaert-Ausstellung in Musée d’Orsay in Paris zu sehen, in der teilweise ganz andere Werke vorgestellt werden. 

Léon Spilliaert, "De windstoot" ("Der Windstoß"), 1904. Mu.Zee Ostende
Image courtesy of LUKAS - ART IN FLANDERS vzw