Nicolas Maeterlinck

Belgisches Zentrum für Chancengleichheit empfängt 25 Klagen zum Karneval von Aalst

Das belgische Zentrum für Chancengleichheit, Unia, muss über 25 Klagen zum Karneval von Aalst befinden. Die Hälfte dieser Klagen gingen bereits vor dem Umzug am vergangenen Sonntag ein und die weiteren Klagen wurden danach eingereicht. Auch in diesem Jahr wurden wieder jüdische Klischees in Karnevalswagen und Verkleidungen genutzt, was bereits im vergangenen Jahr für einen Sturm der Entrüstung gesorgt hatte. Auch Belgiens die EU-Kommission äußerten inzwischen ihren Unmut.

Patrick Charlier, der Direktor von Unia, sagte zum Umgang mit diesen Klagen: „Wir werden gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft und der Polizei überlegen, ob und wie gerichtliche Schritte unternommen werden müssen. Diese Angelegenheit ist die Chronik einer angekündigten Polemik.“ Bei Unia geht man davon aus, dass weitere Klagen folgen werden. Schon seit dem umstrittenen Karnevalswagen im vergangenen Jahr rechnete das Zentrum für Chancengleichheit mit neuerlichen Problemen beim Aalster Karneval 2020.

Verantwortung nicht übernommen

Charlier wirft dem Stadtrat von Aalst vor, seine Verantwortung nicht übernommen zu haben. Man hätte sich auf die Risiken und die zu erwartenden Exzesse vorbereiten können, doch durch die Tatsache, dass man den Karneval von Aalst selbst aus der Liste des UNESCO-Kulturerbes zurückgezogen habe, sorgte man dafür, dass die Karnevalisten in der Stadt der Ansicht waren: „Jetzt können und dürfen wir alles machen!“

Dies führte dazu, dass am vergangenen Sonntag beim berühmten Karnevalszug von Aalst mehrere Gruppen und Einzelpersonen jüdische Klischees und Vorurteile zeigten, die z.B. jüdisch-orthodoxe Bekleidungen, Hakennasen oder die Klagemauer von Jerusalem. Auch vor der Darstellung von Juden als Insekten wurde nicht zurückgeschreckt, was besonders schockierte, denn die Nazis bezeichneten die Juden auch als Ungeziefer während des Holocaust.

Entsetzen

Die Europäische Union reagierte mit Entsetzen auf die als antisemitisch gewerteten Umtriebe beim Karneval von Aalst. Ein Sprecher der EU-Kommission sagte dazu: „Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass derartige Bilder nicht in europäischen Straßen, 75 Jahre nach der Judenverfolgung, gehören. Die Position der Kommission ist deutlich: „Wir wiedersetzen und jeglicher Form des Antisemitismus und diese Bilder sind mit den Werten und Normen, auf denen die EU fundiert, nicht zu vereinbaren.“ Europa wird Belgien nicht offiziell maßregeln, denn es sei an den juristischen Instanzen des Staates, hier vorzugehen. Auch bei der EU-Kommission gingen Klagen gegen den Karneval von Aalst ein.

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