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Menschenrechtskommissarin des Europarats verurteilt antijüdische Darstellungen im Karneval von Aalst

Dunja Mijatović, die Menschenrechtskommissarin des Europarats (Foto), verurteilte erneut die antijüdischen Darstellungen im Karneval von Aalst. Tradition und Satire dürfe nicht entmenschlichen, schrieb Mijatovic am Dienstag auf Twitter. "Rassistische und antisemitische Darstellungen und andere hasserfüllte Darstellungsweisen sollten in #AalstCarnival keinen Platz haben." Sie forderte Belgien auf, eine starke Haltung einzunehmen, damit solche Veranstaltungen Vorurteile und Stereotype nicht verstärkten.

Dunja Mijatović reagierte damit auf Karnevalisten in der ostflämischen Stadt Aalst, die sich am vergangenen Sonntag zum wiederholten Male als orthodoxe Juden verkleidet und beim traditionellen Straßenkarneval und im Karnevalszug unter anderem Karikaturen orthodoxer Juden mit Goldbarren gezeigt hatten.

Schon im vergangenen Jahr gab es Kritik an der Parade. Wegen wiederkehrender rassistischer und judenfeindlicher Darstellungen wurde dem Aalster Karneval 2019 sein Status als Weltkulturerbe aberkannt. Allerdings wollte sich Aalst mit seinem Karneval auch selbst aus dem UNESCO-Weltkulturerbe zurückziehen.

Der Bürgermeister von Aalst, Christoph D'Haese (N-VA), kann die Kritik am Karnevalstreiben in seiner Stadt nicht nachvollziehen. Er bezeichnet diese Kritik als „weltfremd“.

Flanderns Ministerpräsident Jan Jambon (ebenfalls N-VA) allerdings hält auch nicht besonders viel von diesen Umtrieben, die das Bundesland international in ein schlechtes Licht rücken. Er rät den Aalster Karnevalisten dazu, nächstes Jahr "bitte über etwas anderes zu lachen". Das Argument der Aalster Karnevalisten, man lache hier über alles und jeden, scheint jedenfalls seine Grenzen erreicht zu haben.

Der Karneval selbst ging am Dienstag nach dem deftigen Umzug der "Voil Janetten", das sind als Frauen verkleidete Männer,  und mit der traditionellen Verbrennung der Karnevalspuppe auf dem Markt von Aalst offiziell zu Ende. "Hoffentlich", so Bürgermeister D'Haese, "legt sich das Getue jetzt endlich." Mehr als 100.000 Besucher feierten diesen drei Tage langen Karneval rund um die Uhr ohne Zwischenfälle. 

Nächstes Jahr findet der Aalster Karneval übrigens seinen Anfang am Valentinstag. Für den Bürgermeister ist schon jetzt klar, was da gefeiert werden wird: "Nächstes Jahr erklären wir unserem Karneval unsere Liebe. Das bietet schöne Möglichkeiten für neue Themen..." 

 

 

 

 

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