Belgiens Wirtschaft in Zeiten des Coronavirus - Alle Fragen offen?

Angesichts des weltweiten Ausbruchs des Coronavirus zeigt sich die globalisierte Weltwirtschaft angeschlagen. Die Börsen gehen ins Rote, Produktions- und Lieferabläufe sind unterbrochen, der Handel strauchelt und auch die Reisebranche steht vor großen Fragezeichen. Längst sind diese Probleme auch in Belgien angekommen. Die Wirtschafts- und Arbeitgeberverbände fordern Informationen und Richtlinien für die weitere Vorgehensweise.

Der flämische Arbeitgeberverband VOKA zum Beispiel stellt fest, dass auch hiesige Unternehmen betroffen sind. In einigen Werken musste die Produktion stillgelegt werden, weil der Nachschub an Bauteilen stockt. Andere Betriebe können fertige Produkte nicht ausliefern, weil die Empfänger wegen des Coronavirus keine Waren annehmen oder weil Lager voll sind.

Andere Bereiche, wie z.B. die Apotheken, können der Nachfrage nach bestimmten Produkten, wie die ominösen Mundschutzmasken, nicht entsprechen, weil die Lager wiederum leer sind und der entsprechende Großhandel deswegen auch schon auf dem Zahnfleisch läuft. Nicht zuletzt ist die Reisebranche betroffen, weil die Kunden durch die Angst vor dem Virus ein völlig anderes Buchungsverhalten aufweisen oder gar nicht mehr verreisen wollen.

Doch die belgischen Wirtschafts- und Arbeitgeberverbände werden auch von anderen Sorgen geplagt. Es fehlt ihnen an Vorschriften, Regelungen, Informationen und Anlaufstellen dazu, wie mit dem Coronavirus umgegangen werden soll, vor allem auf praktischer Ebene. Auch deshalb fordert VOKA eine Anlaufstelle für Fragen zum Coronavirus, sowohl auf belgischer Bundes-, als auch auf flämischer Landesebene.

Die Fragen, die die Arbeitgeber stellen, sind naheliegend. Wie gehe ich mit einem Arbeitnehmer um, der Krankheitssymptome aufweist? Was tue ich, wenn ein Mitarbeiter irgendwo im Ausland wegen einer Quarantänesituation (wie z.B. die bis zum 10. März in einem Hotel auf Teneriffa festsitzenden Landsleute) nicht zur Arbeit erscheinen kann? Was passiert, wenn mein Unternehmen unter Quarantäne gestellt werden muss? Wer kommt für den durch das Virus entstehenden wirtschaftlichen Schaden auf? 

Inzwischen ist die wirtschaftliche Auswirkung des Coronavirus auch auf die hiesige Wirtschaft deutlicher zu spüren, denn je. Der belgisch-brasilianische Brauerei- und Getränkegigant AB InBev führt schon jetzt rund 260 Mio. € auf das Virus zurück, denn inzwischen ist quasi der gesamte chinesische Markt weggebrochen. Und der Bel20, der Börsenindex der wichtigsten belgischen Aktien an der Brüsseler Euronext-Börse ist innerhalb von nur 3 Tagen um rund 10 % gesunken. 

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