Die belgische Fischereiflotte besteht aus etwa 65 Booten, die zwischen 20 und 40 Jahre alt sind

Zum ersten Mal seit 20 Jahren lässt ein belgischer Fischer ein neues Boot bauen

Die Hochseefischerei in Belgien hatte lange mit Problemen zu kämpfen. EU-Fangquoten, Nachwuchsmangel, Konkurse, Verschrottungsprämien für kaum genutzte Boote und anderes mehr ließen immer mehr Fischer aufgeben und einige Reedereien machten aus Angst vor drohender Pleite ihre Bücher zu. Doch plötzlich kommt wieder Schwung in dieses Gewerbe. Ein Reeder lässt gerade ein neues Fischerboot bauen und einige andere Reedereien haben Pläne für die Zukunft und sehen ebenfalls Investitionen in eine Erneuerung der Flotte vor.

Flanderns Landesministerium für Landwirtschaft und Fischerei weiß, dass rund 10 Reedereien vorhaben, neue Fischerboote bauen zu lassen und dass auch anderweitige Investitionen in die entsprechende Infrastruktur geplant sind. Ein Reeder macht es derzeit vor: Eddy Cattoor vom Familienunternehmen Rederij Long Ships hat vor einigen Monaten der niederländischen Werft Damen Maaskant Shipyards Stellendam den Auftrag zum Bau eines 38 m langen Trawlers gegeben. Das Schiff vom Typ BT3808 wird Z91 Franson heißen und fischt mit Schleppnetzen. Das Unternehmen SIP Marine baut dazu einen Motor, der rund 12 % weniger Treibstoff verbrauchen soll, als bisher übliche ähnliche Trawler.

Für Reeder Cattoor gibt es derzeit für die hiesige Fischerei keinen anderen Weg, als zu investieren und neue Schiffe bauen zu lassen: „Ein Schiff fährt normalerweise während 10 bis 15 Jahren. Dann wird eine gründliche Renovierung anfällig und das Schiff kann noch einmal für den gleichen Zeitraum ausfahren. Dann aber werden die Schiffe echt alt. Unsere belgische Fischereiflotte umfasst Schiffe, die 30 bis 40 Jahre alt sind. Die jüngsten sind 20 Jahre alt. Also müssen entweder einige neue Schiffe kommen, oder es ist aus mit der flämischen Hochseefischerei.“ 

Der richtige Zeitpunkt für Investitionen?

Dass sich jetzt einige flämisch-belgische Reeder dazu entschließen, zu investieren, liegt am günstigen Wirtschaftsklima. Die Preise für Fisch liegen höher als früher, die Kredite sind günstig und die Treibstoffpreise niedrig. Und, die Leute haben wieder Lust auf Fisch, wie aus Reedereikreisen zu vernehmen ist. Trotzdem mag es überraschen, dass gerade jetzt Millionen in die hiesige Fischerei investiert werden. Nächstes Jahr läuft die Übergangszeit zum Brexit ab und dann kann es passieren, dass auch belgische Trawler nicht mehr in britischen Gewässern fangen dürfen. Zeitweise war es hier so, dass rund die Hälfte des in flämischen Nordseehäfen angelandeten Fisches aus britischen Gewässern stammten.

Für Eddy Cattoor ist das kein großes Problem, wie er gegenüber der flämischen Tageszeitung De Standaard andeutete: „Wir selbst fahren nur etwa in einem Drittel unserer Fangzeit in britische Gewässer. Ich glaube, dass es hier zu einer Einigung kommen wird. Und es gibt ja auch nicht mehr so viele belgische Fischer.“ Derzeit fahren noch rund 65 Fischerboote und Trawler unter belgischer Flagge. Die meisten von ihnen gehören flämischen Unternehmen, doch einige haben auch Eigner aus dem Ausland, z.B. aus den Niederlanden und aus Spanien oder auch aus England. Eines gehört sogar einem Kanadier, schreibt De Standaard. Reeder Cattoor ist am häufigsten in der Nordsee unterwegs und auch im Skagerak. Ab und zu fährt er aber auch in Richtung Golf von Biskaya aus, wie er der Redaktion des US-Magazins The Maritime Executive erzählte. 

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