Nicolas Maeterlinck

Beschwerden beim Institut für Gleichstellung von Frauen und Männern nach #metoo-Kontroverse um Strafverteidiger Sven Mary

Das Institut für die Gleichstellung von Frauen und Männern hat nach dem aufsehenerregenden Interview des bekannten flämischen Strafverteidigers Sven Mary (Foto) vom vergangenen Wochenende in der Zeitung „Het Laatste Nieuws“ etwa ein Dutzend Beschwerden erhalten. Der Anwalt sagte dort, er stelle seit einem #Metoo-Vorfall mit einer Praktikantin keine weiblichen Anwälte mehr ein. Das Interview sorgte in den Medien für eine Kontroverse.  Die flämische Anwaltskammer verweist auf den Brüsseler Anwaltspräsidenten, der gegebenenfalls hierauf reagieren müsse, findet die Angelegenheit aber überrufen. 

Der bekannte Brüsseler Strafverteidiger Sven Mary wurde am Wochenende in „Het Laatste Nieuws“ zitiert. Die Zeitung hatte "drei Alpha-Männer" gefragt, wie sie mit der #metoo-Bewegung umgehen. Mary sagte, dass er keine weiblichen Anwälte mehr einstelle. "Das ist schade, denn viele kompetente und intelligente Damen machen gerade ihren Abschluss", sagte er in der Zeitung. "Aber ich hatte einmal ein Problem mit einer Praktikantin, die behauptete, sie schulde ihre schlechte Beurteilung der Tatsache, dass sie nicht auf meine Annäherungsversuche einging, und diesem Risiko möchte ich mich nicht mehr aussetzen. Natürlich ging der Schuss damals nach hinten los, weil ihre Beschwerde auf nichts basierte".

Seit dem Interview hat das Institut für die Gleichstellung von Frauen und Männern etwa ein Dutzend Beschwerden erhalten. "Wir werden nun untersuchen, ob es sich um Menschen handelt, die behaupten, selbst Opfer zu sein, oder um Menschen, die sich über dieses Statement ärgern", sagt Liesbeth Stevens vom Institut.

Anwaltskammer verweist auf den Brüsseler Anwaltspräsidenten

Unterdessen kritisiert die Anwältin Mieke Van Den Broeck von der Aktionsgruppe "Progress Lawyers Network" den Verband der flämischen Anwaltskammern. Laut Van Den Broeck muss der den Standpunkt von Sven Mary auf das Schärfste verurteilen. Aber auch wenn sich die Beschwerden gegen Mary als unbegründet herausstellen sollten, ist Van Den Broeck der Meinung, dass es immer noch ein Problem innerhalb der Anwaltschaft gibt. "Es gibt dort wirklich eine Macho-Kultur. Wenn eine Debatte organisiert wird, sind es immer nur Männer, obschon sich immer mehr Frauen für den Beruf entscheiden. Frauen müssen unter guten Bedingungen als Anwältin arbeiten können. Wenn sie Opfer sexueller Gewalt werden, müssen sie sich an die Anwaltskammer richten können", sagte Van Den Broeck im Interview mit VRT NWS.

Der Verband der flämischen Anwaltskammer ist aber nicht beeindruckt. „Ich habe vor allem Anschuldigungen gehört", sagte Sprecher Hugo Lamon zu VRT NWS. „Ich muss der Behauptung  widersprechen, die Anwaltskammern kümmerten sich nicht um das Wohlbefinden ihrer Mitglieder.“ Darüber hinaus belege eine kürzlich durchgeführte Befragung der Anwaltskammer nicht, dass es ein Problem der Machokultur oder des Sexismus gibt. „Wir haben keine Beschwerden darüber, dass Frauen schlechter behandelt werden als Männer", sagt Lamon.

Es gibt dort wirklich eine Macho-Kultur. Wenn eine Debatte organisiert wird, sind es immer nur Männer, obschon sich immer mehr Frauen für den Beruf entscheiden. 

Mieke Van Den Broeck von der Aktionsgruppe "Progress Lawyers Network"

Es wird keine Verurteilung der Aussagen von Sven Mary durch die Anwaltskammer geben. "Zu einem Einzelfall kann ich nicht viel sagen. Natürlich muss sich jeder immer an das Gesetz halten. Experten werden beurteilen müssen, ob das fragliche Interview gegen irgendetwas verstoßen hat", sagt Hugo Lamon. Er verweist auf den Präsidenten der Anwaltskammer von Brüssel, der gegebenenfalls eingreifen müsse. "Wenn es um Einzelfälle geht, ist es Sache des Präsidenten der Anwaltskammer, gegebenenfalls Maßnahmen zu ergreifen. Aber ich weiß nicht, ob ein Satz in der Zeitung ausreicht, damit der Präsident der Anwaltskammer handeln kann. Niemand weiß wirklich, was passiert ist. Wir dürfen das nicht überbewerten. Aber wenn es Beschwerden gibt, werden diese natürlich bearbeitet."

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